Radioaktiver Müll – wo können die hochradioaktiven Abfälle aus Atomkraftwerken in Deutschland sicher gelagert werden? Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Noch gut zwei Jahre, dann ist Schluss mit Atomstrom in Deutschland. Mit hochradioaktiven Abfällen aus den Kraftwerken hat das Land aber noch Jahrzehnte zu tun. Um Gorleben als Standort eines Endlagers für radioaktiven Atommüll wird seit Jahrzehnten gestritten. Nun soll entschieden werden, welche Gebiete in Deutschland außerdem noch infrage kommen. Mit banger Sorge erwarten auch die Brandenburger den Zwischenbericht, den die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) am Montag vorstellen will. Denn mögliche Standorte liegen auch gar nicht weit von Berlin entfernt …

In ihrem mehrere Hundert Seiten langen Bericht will die Bundesgesellschaft für Endlagerung Teilgebiete für das Bundesgebiet vorstellen, die als möglicher Endlager-Standort genauer unter die Lupe genommen werden. Gesucht wird der beste Ort, um hochradioaktiven Atommüll eine Million Jahre lang möglichst sicher zu lagern. 2031 soll der Standort gefunden sein und 2050 soll das Endlager in Betrieb gehen.

Das Atommülllager Gorleben ist bisher ein Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente. Ursprünglich sollte dort auch ein Endlager eingerichtet werden. Foto: Sina Schuldt/dpa

Das Problem dabei: Wer will schon ein Endlager für hochradioaktive Abfälle in der Nachbarschaft haben? Welchen Ärger das auslösen kann, hat sich rund ums niedersächsische Gorleben eindrucksvoll gezeigt – über Jahrzehnte. Solche Massenproteste, Wut und gewalttätigen Auseinandersetzungen soll der neue, strikt geregelte Suchprozess möglichst vermeiden.

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Gesucht werden Gebiete mit günstigen geologischen Voraussetzungen, die unterirdisch Gesteine wie Salz oder etwa Granit und Ton aufweisen. Und da rückt auch Brandenburg ins Visier der BGE: Im Ruppiner Land könnten zwei Salzstöcke in die engere Auswahl kommen – Zechlin und Netzeband. Auch die Prignitz könnte es treffen, die auf großen Tonvorkommen liegt, wie die Grüne Liga bereits warnte. Ebenso das Westhavelland, der Hohe Fläming sowie der Raum Brandenburg-Nauen-Werder (Havel).

Im Ruppiner Land könnten Salzstöcke als Endlager ausgewählt werden. Foto: Imago Images / Christian Spicker

Ob allerdings Salzstöcke prinzipiell geeignet sind, ist unter Experten umstritten. Salz ist hitzebeständig. Es fließt und könnte so die Behälter einschließen. Dadurch wäre eine mögliche Rückholung des Atommülls unmöglich. 500 Jahre lang, so lautet die Vorgabe, sollen die Abfälle aber wieder geborgen werden können, falls das notwendig oder sinnvoll ist.

Atommüll ist in Deutschland auf verschiedene Standorte verteilt.  Grafik: dpa-infografik

Wie in Brandenburg müssen die Bürger in fast allen Bundesländern vor dem Zwischenbericht zittern. Nur Bayern windet sich. Dort hat die Koalition aus CSU und Freien Wählern einfach im Koalitionsvertrag festgeschrieben, man sei „überzeugt, dass Bayern kein geeigneter Standort für ein Atomendlager ist“. Wegen des vorhersehbaren Widerstands in den Ländern befürchten Bürgerinitiativen und Umweltverbände in Niedersachsen, dass am Ende doch Gorleben aus politischen Gründen ausgewählt wird, weil dort schon mehr als eine Milliarde Euro für die Erkundung als Endlager investiert wurde.

Milliardenschwerer Staatsfonds zur Finanzierung

„Diese Suche ist eine der schwierigsten Aufgaben, die ein Land zu lösen hat. Es gibt weltweit kein einziges, das eine Lösung für tiefengeologische Endlagerung von hochradioaktiven Abfällen hat“, sagte Rebecca Harms (Grüne), die zu den Gründungsmitgliedern der Bürgerinitiative gegen ein geplantes Endlager in Gorleben gehörte. Frankreich und Schweden zum Beispiel haben schon Orte ausgewählt. Am weitesten ist Finnland. In einem Endlager auf der Insel Olkiluoto soll der strahlende Abfall in 400 bis 450 Meter Tiefe lagern. In den 2020ern soll die Einlagerung beginnen, etwa 100 Jahre später soll das Tunnelsystem versiegelt werden.

Zur Finanzierung des Endlagers und der Zwischenlager soll ein Staatsfonds nach und nach auf 70 Milliarden Euro anwachsen. Und mit der Auswahl des Ortes ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Bis Juni 2021 sind Beratungstermine geplant. Wissenschaftler, Vertreter von Kommunen und Organisationen sowie Bürger erörtern den Zwischenbericht und geben Stellungnahmen ab.