Eine Ärztin zieht eine Spritze mit dem Impfstoff AstraZeneca auf - kann das Serum weiter verimpft werden?   Foto: dpa/Ronny Hartmann

Heilsbringer oder Serum mit tödlichen Risiken? Mit Spannung erwartet die Bundesregierung die Einschätzung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zum Corona-Impfstopp des Mittels von Astrazeneca.

Keine gleichzeitige Nutzung der Anti-Baby-Pille?

An diesem Donnerstag wollte die EU-Behörde bekannt geben, ob sie weiter an dem Präparat festhält. Die EMA-Experten stellten das Vakzin auf den Prüfstand, nachdem Deutschland und andere Länder die Impfungen damit wegen mehrerer Thrombosefälle ausgesetzt hatten. In Deutschland gibt es inzwischen 13 gemeldete Fälle solcher Blutgerinnsel in Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zu Impfungen, wie das Bundesgesundheitsministerium in Berlin mitteilte.

Die Bewertung der EMA soll dann bindend sein, wie das Ressort von Minister Jens Spahn (CDU) am Vortag mitgeteilt hatte. Beraten würden auch noch die Ständige Impfkommission (Stiko) und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Spahn und der Präsident des in Deutschland für solche Zulassungen zuständigen PEI, Klaus Cichutek, wollten sich nach der EMA-Entscheidung noch am Nachmittag zu den Konsequenzen äußern.

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Deutsche Ärztinnen und Ärzte erwarten, dass Astrazeneca zugelassen bleibt. Dies könnte allerdings an Bedingungen geknüpft sein. „Dann könnte es vielleicht eine Zulassung mit Einschränkungen geben - etwa nur für bestimmte Altersgruppen oder beispielsweise ohne gleichzeitige Nutzung der Pille“, sagte der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO), Frank Bergmann.

Der Fachanwalt für Medizinrecht, Alexander Ehlers, hält einen generellen Stopp des Impfstoffs für unwahrscheinlich. „Wir erwarten (...), dass die EMA wahrscheinlich einen Warnhinweis ergänzend aufnehmen wird“, sagte der Direktor des Health Care Management Institutes an der privaten EBS Universität für Wirtschaft und Recht bei Frankfurt im Deutschlandfunk.

Bund und Länder entscheiden auf Impfgipfel über Astrazeneca

Bisher wertet die EMA die Vorteile von Astrazeneca zur Verhinderung von Covid-19 größer als das Risiko. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnte vor voreiligen Schlüssen eines Impfstopps. „In Impfkampagnen ist es Routine, potenzielle unerwünschte Ereignisse zu melden. Das bedeutet nicht notwendigerweise, dass die Ereignisse mit der Impfung in Verbindung stehen“, sagte der europäische WHO-Regionaldirektor Hans Kluge in Kopenhagen.

Nach der erwarteten EMA-Bewertung wollen sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten an diesem Freitag per Telefonkonferenz zusammenschalten. Beraten werden soll über den Fortgang der Impfkampagne in Deutschland. Auch über den Zeitplan für einen breiten Impfstart in Arztpraxen soll dabei beraten werden.

Gesundheitsminister Spahn hatte die Impfungen mit Astrazeneca in Deutschland am Montag vorübergehend vorsorglich gestoppt. Von den nun 13 gemeldeten Fällen von Thrombosen nach Impfungen endeten drei tödlich. Insgesamt handele es um zwölf Frauen und einen Mann zwischen 20 und 63 Jahren.