Eine Krankenschwester auf einer Corona-Isolierstation in Mecklenburg-Vorpommern. Foto: dpa/Jens Büttner

Klinikärzte beklagen seit Jahren einen massiven Dauerstress, der oft über die Belastungsgrenze hinausgeht. Das ist durch Corona nicht besser geworden. Im Gegenteil. Nun wird klar, dass nicht genügend Pflegepersonal da ist, um bei einer zweiten Welle alle Covid-19-Patienten in den Intensivbetten zu betreuen. Deshalb werden pensionierte Pflegekräfte aufgerufen, sich noch einmal in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen.

Das ist leider notwendig und zeigt ein grundsätzliches Dilemma des Gesundheitssystems. Eines Systems, das seit Jahren dem Ruf nach Maximalkommerzialisierung folgt. Ein Beispiel: Die Betten für Grippekranke werden nur im Winterhalbjahr gebraucht. Also rechnen die Sparfüchse die Maximalzahl aufs gesamte Jahr um und reduzieren die Bettenzahl. Die Folge: Bei einer Pandemie bricht schnell der Notstand aus.

Ein Grundproblem ist, dass Ärzte nur bezahlt werden, wenn sie auch Kranke behandeln. Der Legende nach bekamen die Mediziner im Alten China dann Geld, wenn sie dafür sorgten, dass ihre Patienten gesund blieben.

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Auch heute würde echte Vorsorge bedeuten, nicht nur Kneipp-Kuren anzubieten, sondern auch auf die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter zu achten, sie nicht nur Helden des Alltags zu nennen, sondern auch so zu bezahlen.

Ihre Sorgen ernst zu nehmen, ist fundamental. Zwar wird allerorten beklagt, dass die Welt immer hektischer wird. Aber es gibt gravierende Unterschiede. Wenn in diesem Kommentar ein Fehler steht, ist das mehr als ärgerlich, aber wenn ein Arzt einen Fehler macht, kann es um Leben und Tod gehen. Deshalb sollte die Pandemie zum Umdenken führen.