Alexander Lukaschenko verteidigte im belarussischen Parlament die erzwungene Landung eines Flugzeugs in Minsk und die Festnahme eines missliebigen Journalisten.   Foto: Pool BelTA/AP/dpa/Sergei Shelega

Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko hat den inhaftierten oppositionellen Journalisten Roman Protassewitsch (26) als „Dreckschwein“ und „Terroristen“ bezeichnet, der einen „blutigen Aufstand“  in Belarus geplant habe. Protassewitsch habe 2014 in der Ukraine gegen ostukrainische Separatisten gekämpft und Menschen getötet. Der Journalist war damals dort als Reporter.

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Protassewitsch war an Bord eines Flugzeugs, das am Sonntag auf dem Weg von Athen nach Vilnius kurz vor dem Ziel, aber noch über Belarus wegen eines angeblichen Bombenalarms zur Landung im weit entfernten Minsk genötigt worden war. Dort wurde er verhaftet. Lukaschenko behauptete jetzt, es habe eine Bombenwarnung aus der Schweiz gegeben, sagte aber gleichzeitig, es sei bekannt gewesen, dass der „Terrorist“ an Bord war.

Roman Protassewitsch bei seinem „Geständnis“. Das Gesicht zeigt mögliche Spuren von Schlägen. Videostill: -/Telegram/Social Media/dpa

Lukaschenko, der nach seiner offenkundig gefälschten Wiederwahl Massenproteste zusammenknüppeln ließ, warf dem Journalisten und seiner gleichfalls verhafteten russischen Freundin Sofia Sapega (23) vor, für westliche Geheimdienste gearbeitet zu haben. Das inhaftierte Paar zuvor hatte in von Staatsmedien verbreiteten Videos „Geständnisse“ abgelegt. Protassewitsch zeigte dabei mögliche Folterspuren.

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Wegen der Sanktionen, von der EU gegen Belarus verhängt, drohte Ministerpräsident Roman Golowtschenko mit Gegenmaßnahmen im „Transit“, ließ aber offen, ob damit aus Russland nach Westen führende Gas- und Öl-Pipelines gemeint sind.