Ulrich Silberbach, Bundesvorsitzender von dbb beamtenbund und tarifunion, bei einer Demo während der letzten Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst. Foto: dpa/Christophe Gateau

Nach einem deutlichen Stellenabbau in den vergangenen Jahren hat der öffentliche Dienst von Bund, Ländern und Kommunen wieder Beschäftigte dazugewonnen. So arbeiteten dort 2020 knapp 4,97 Millionen Beschäftigte, wie aus dem „Monitor öffentlicher Dienst“ des Beamtenbunds dbb hervorgeht. 2019 waren es demnach rund 4,88 Millionen und im Jahr davor 4,80 Millionen. Die Zahlen beruhen auf Daten des Statistischen Bundesamts, umfassen auch Soldaten und Beschäftigte der Sozialversicherungen. Und sie enthalten eine Überraschung.

Denn trotz der großen Zahlen steht Deutschland, das angeblich von einem bürokratischen Wasserkopf geplagt wird, im Vergleich mit anderen EU-Staaten sehr gut da. Nicht einmal elf von 100 Beschäftigen insgesamt waren 2019 im öffentlichen Dienst tätig. In Spanien waren es fast 16, in Frankreich gut 21 und in Schweden annähernd 29.

Die personellen Zuwächse in Deutschland verteilten sich laut dbb auf alle Bereiche. So gab es 2020 beispielsweise in der Kinderbetreuung binnen eines Jahres rund 11.000 Stellen mehr, im Bereich politischer Führung und zentraler Verwaltung gut 20.000, bei der Polizei etwa 7000, in der Finanzverwaltung 2500 und an den Schulen gut 6000 Stellen mehr.

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Der dbb-Vorsitzende Ulrich Silberbach geht dennoch weiter von einer eklatanten Personallücke im öffentlichen Dienst aus. Er beziffert den zusätzlichen Bedarf auf mehr als 300.000 Beschäftigte. Dies umfasse einerseits offene Stellen und andererseits Schätzungen zu notwendigen Neueinstellung für die angemessene Erledigung der wachsenden Aufgaben – etwa bei der Betreuung kleiner Kinder. 

Silberbach wies darauf hin, dass sich das Problem in den kommenden Jahren verschärfen werde. Fast 1,3 Millionen Beschäftigte seien über 55 Jahre und würden damit in absehbarer Zeit altersbedingt ausscheiden.

Mit rund 2,5 Millionen Beschäftigten macht das Personal der Länder den größten Anteil im öffentlichen Dienst aus. Es folgen die Kommunen mit 1,6 Millionen Beschäftigten, rund 500.000 beim Bund und knapp 400.000 bei den Sozialversicherungen. Knapp 1,9 Millionen Menschen sind Beamte, 171.000 Soldaten eingeschlossen, 3,08 Millionen sind Tarifbeschäftigte. Mit 41 Stunden haben die Beamten des Bundes, Baden-Württembergs, Nordrhein-Westfalens und Schleswig-Holsteins die längsten  Wochenarbeitszeiten. 

Der Beamtenbund - offiziell „dbb beamtenbund und tarifunion“ - vertritt sowohl Tarifbeschäftigte als auch Beamte des öffentlichen Dienstes.