Media Markt hat bereits erste Filial-Schließungen angekündigt. Europaweit gibt es 1000 Geschäfte. Foto: Imago Images/Future Image

Ob Media Markt, Saturn oder Douglas: Immer mehr Ladenketten stellen ihre Filialnetze auf den Prüfstand. Denn durch die Corona-Krise haben viele Kunden die Online-Shops der Handelsriesen für sich entdeckt und halten ihnen auch nach der Wiederöffnung der Geschäfte die Treue. Für den Fortbestand so mancher Filiale droht das jetzt zur Gefahr zu werden.

„Die Kundennachfrage ändert sich. Es gibt einen Trend weg vom stationären Einkauf, zum Online-Shopping. Diesem Strukturwandel müssen wir Rechnung tragen, indem wir das Filialnetz überarbeiten“, so Tina Müller, Chefin der größten deutschen Parfümeriekette Douglas.

Elektronik-Riesen wie Media Markt und Saturn haben festgestellt, dass selbst nach Wiedereröffnung der Geschäfte der Online-Handel weiterhin boomt.  Foto: Imago Images/HMB-Media

„Wir werden immer mehr zum E-Commerce-Unternehmen“, betonte sie. In Deutschland liege der Anteil des Online-Handels am Umsatz bereits bei 40 Prozent. „Der Zeitpunkt ist absehbar, an dem wir in Deutschland mehr E-Commerce-Unternehmen sein werden als stationärer Händler.“ Die Fortschritte im Online-Handel halfen dem Konzern in den vergangenen Monaten auch, die Auswirkungen der Corona-Krise in Grenzen zu halten.

Für so manche Filiale dürfte der Trend allerdings nichts Gutes bedeuten. Die Konzernchefin lässt keinen Zweifel daran, dass nicht alle der 2400 Geschäfte die „Überarbeitung“ des Filialnetzes überleben werden. Immerhin verrät sie: „Deutschland wird tendenziell weniger von Ladenschließungen betroffen sein als Südeuropa.“

Ein Geschäft der Parfümerie-Filialkette Douglas – die Läden werden teils bestehen bleiben, um Kosmetik und Parfums erlebbar zu machen. Foto: Axel Heimken/dpa

Allein ist Müller mit ihren Plänen, das Filialnetz zu straffen, nicht. Auch der Chef des Elektronikhändlers Ceconomy, Bernhard Düttmann, kündigte Einschnitte bei den konzerneigenen Ketten Media Markt und Saturn an. In einem ersten Schritt sollen zunächst europaweit 14 der mehr als 1000 Filialen geschlossen werden. Betroffen seien auch drei Läden in Deutschland, sagte Düttmann. Welche Filialen das sind, verriet er aber nicht. Und es könnten noch einige Geschäfte hinzukommen, die angesichts der Corona-Krise nicht mehr rentabel zu betreiben seien, hieß es.

Die Online-Umsätze des Elektronikhändlers stiegen im dritten Quartal um satte 145 Prozent. Auf das Online-Geschäft entfiel damit mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes. Sind die teueren Filialen in den Einkaufsstraßen im Zeitalter des E-Commerce also nur noch ein Klotz am Bein von Handelsketten wie Media Markt oder Douglas? Ceconomy-Chef Düttmann will davon trotz der angekündigten Filialschließungen nichts wissen: „Die Geschäfte bleiben das Herz unseres Unternehmens – auch in Zeiten des E-Commerce“, betonte er. Als Showroom seien sie unverzichtbar.

Und auch Douglas-Chefin Müller sieht das nicht viel anders. „Die Rolle der Filialen wird sich ändern – von einer reinen Abverkaufsstation zu einem Ort für den Erlebniseinkauf“, sagt sie. „Wir Frauen wollen, bevor wir einen Lippenstift kaufen, sehen, wie er auf der Lippe oder zumindest der Hand aussieht, und wir wollen den Duft des Parfüms riechen, bevor wir es kaufen. Da wird die Filiale ihre Rolle immer behalten.“