Eine Milliarde Ampullen des Impfstoffs von Astrazeneca werden beim weltweit größten Impfstoff-Produzenten in Indien verpackt. Foto: dpa/Rafiq Maqbool

Dichter Qualm dringt aus den Fensterfronten eines Gebäudes des „Serum Institute of India“ in der indischen Stadt Pune. Hunderte Mitarbeiter in weißen Kitteln flüchten vor den Flammen ins Freie. Für fünf Menschen kommt jede Hilfe zu spät.

Der Brand beim Impfstoff-Produzenten am vergangenen Donnerstag hat Folgen für Millionen Menschen weltweit. Nicht zuletzt wegen des schweren Brandes in Pune musste die schwedisch-britische Pharmafirma Astrazeneca zum Entsetzen aller EU-Staaten die Lieferung ihres Corona-Impfstoffs kappen.

Mitarbeiter flüchteten sich beim Brand im Serum Institute ins Freie, fünf Menschen starben. Foto: AP/Rafiq Maqbool

Denn das Serum Institute ist der größte Impfstoff-Hersteller der Welt und will dieses Jahr nach Angaben seines Chefs Adar Poonawalla eine Milliarde Dosen des Corona-Impfstoffs herstellen.

Hälfte aller Impfstoffe kommt aus Indien

Rund die Hälfte aller Impfstoffe weltweit kommen aus Indien. Das Land gilt damit als Herz im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Nicht umsonst wird das Land als „Apotheke der Welt“ bezeichnet. Ein Titel, den früher einmal Deutschland inne hatte.

Mitarbeiter des Serum Institute bei der Produktion des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca Foto: AFP/Punit Paranjpe

Viele der produzierten Impfstoffe gehen in ärmere Länder. Für diese Staaten werden die Produkte aus Indien auch jetzt von großer Bedeutung sein. Denn anders als Deutschland und andere reiche Länder konnten sie sich nicht direkt viele Dosen der Corona-Impfstoffe sichern.

Weltgrößter Produzent von Generika

Doch nicht nur im Kampf gegen die Pandemie, sondern gegen sämtliche Krankheiten ruhen die Hoffnungen ärmerer Länder auf Indien. Das zweitbevölkerungsreichste Land ist weltgrößter Hersteller günstiger, wirkstoffgleicher Nachahmer-Medikamente, so genannter Generika. Damit versorgt Indien Staaten, die sich die teuren Original-Arzneimittel gar nicht leisten können.

Paletten mit Corona-Impfstoff werden in der Lagerhalle für den weltweiten Export gestapelt. Foto: AFP/Punit Paranjpe

Generika machten 2018 mit etwa 15,8 Milliarden Dollar 80 Prozent des Umsatzes der gesamten indischen Pharmabranche (20,9 Milliarden Dollar) aus, einer der exportstärksten Industriezweige des Landes. Nach Schätzungen des Recherche-Instituts Business Monitor International (BMI) wird der Generika-Umsatz bis 2022 auf 21,7 Milliarden Dollar steigen.

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Im Kampf gegen Corona braucht Indien selbst viele Impfstoffe und hat kürzlich mit seiner Impfaktion begonnen. Bislang sind dort zwei Impfstoffe zugelassen, die vor Ort produziert werden.

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Im Zeichen internationaler Solidarität geht Indien aber auch voran und will Hunderttausende Dosen eigens produzierter Corona-Impfstoffe kostenlos an andere Länder abgeben. Zunächst sollen die Nachbarländer Bhutan, Malediven, Bangladesch, Nepal und Myanmar sowie die Seychellen mit den Hilfsgütern beliefert werden, hieß es aus dem Außenministerium in Neu Delhi.

In Indien selbst sollen bis zum Sommer laut Premierminister Narendra Modi rund 300 Millionen Menschen geimpft werden. Das entspricht weniger als einem Viertel der 1,3 Milliarden Einwohner in dem Riesenland.