Das DIW erwartet, das bei seinem Modell sehr gut verdienende Männer, deren Frauen wenig oder gar nicht arbeiten, mehr Steuern zahlen müssen. Foto: imago images

Ehepaare,  bei der Einkommenssteuer gemeinsam veranlagt, kennen das: Verdient der eine Partner deutlich mehr als der andere, wählt er zum Beispiel die günstige Steuerklasse 3. Der andere Partner - in der Regel die Frau - wird dafür in der  Steuerklasse 5 geschröpft. Seit Jahren wird in der Politik gestritten, wie man dieses Ehegattensplitting ändern könnte. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin macht jetzt einen Vorschlag, der über ein höheres Netto den Anreiz gerade für Frauen erhöht, in Vollzeit oder überhaupt arbeiten zu gehen.

Jetzt ist es so, dass beide Einkommen addiert, die Summe halbiert und jede Hälfte pro Kopf versteuert wird. Das ist für Frauen schlecht, weil sie dadurch ein mickriges Netto haben, nur in Teilzeit arbeiten und finanziell vom Mann abhängig bleiben. 

Das DIW schlägt vor, beide Partner getrennt zu veranlagen und gleichzeitig die Möglichkeit zu schaffen, den nicht zu versteuernden Grundfreibetrag von bis zu knapp 10.000 Euro pro Kopf zu übertragen: Der Mann muss dann zwar ein um diesen Betrag geringeres Brutto versteuern, aber mehr zahlen, weil er einen höheren Steuersatz bekäme. Die Frau müsse zwar ein bis zu knapp 10.000 Euro höheres Brutto versteuern, aber mit niedrigerem Steuersatz und mehr Netto. 

Die DIW-Forscher  gehen davon aus, dass dann 0,6 Prozent mehr Frauen zusätzlich arbeiten gingen. Mit den Frauen, die ihre Arbeitszeit erhöhen, stiege die gesamte Stundenzahl um 1,7 Prozent. Das würde allen Frauen in der Summe 4,2 Milliarden Euro mehr brutto pro Jahr bringen - und dem Staat zwei Milliarden mehr Steuern.