Russlands Präsident Putin bei einer Videokonferenz mit dem Nationalen Sicherheitsrat.
Russlands Präsident Putin bei einer Videokonferenz mit dem Nationalen Sicherheitsrat. dpa

Der russische Präsident Wladimir Putin führt sein Land seit Beginn seiner Herrschaft mit brutalem Machtanspruch. Kritiker werden systematisch eingeschüchtert, weggesperrt oder sogar getötet. Trotz massiver Drohungen sind seit Beginn der Invasion in Dutzenden Städten Russlands Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Viele wurden verhaftet. Die große Mehrheit schweigt.

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Wie viele Menschen tatsächlich noch hinter Putin stehen, ist unklar. Die Staatsmedien senden Erfolgsmeldungen zu dem Krieg, der so nicht genannt werden darf: Von einer Militäraktion zur Entnazifizierung der Ukraine ist die Rede. Die letzten unabhängigen Medien, wie der TV-Kanal Doschd und Echo Moskwy, sind blockiert.

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Am Freitagmorgen legte das russische Parlament Duma nach und beschloss drastische Strafen für die Verbreitung von „Fake News“ über das russische Militär: Bis zu 15 Jahre Haft drohen Journalisten, die wahrheitsgemäß über den russischen Einmarsch berichten. Soziale Medien wie Facebook und Twitter sind blockiert und nur über VPN-Kanäle aufrufbar. Dennoch hat sich die Wahrheit über die Brutalität russischer Bombardierungen und die Misserfolge der russischen Armee auch in Russland herumgesprochen. Die Wut wächst und offenbar auch der Widerstand gegen die Staatsführung.

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7000 russische Wissenschaftler bezeichnen das eigene Land als „militärischen Aggressor“ und „Schurkenstaat“

Nicht weniger als 7000 russische Wissenschaftler haben ihren Namen unter einen offenen Brandbrief gegen die Invasion gesetzt. Die Unterzeichnenden nehmen kein Blatt vor den Mund, nennen die Invasion klar beim Namen: „Wir, russische Wissenschaftler und Wissenschaftsjournalisten, protestieren aufs Schärfste gegen die militärische Invasion der Ukraine durch die russischen Streitkräfte.“ Russland wird in dem Brief als „militärischer Aggressor“ und sogar als „Schurkenstaat“ bezeichnet. Der Ruf Russlands als Wissenschaftsstandort stehe nachhaltig auf dem Spiel.

Vereinzelten Protest aus Uni-Kreisen und Kultur ist die Staatsführung gewöhnt. Eine derart massive Mobilisierung hat es jedoch lange nicht mehr gegeben. Der russische Staatsapparat hat sich allerdings von weiten Teilen der Gesellschaft entkoppelt, baut seine Macht vor allem auf drei Säulen auf: Militär, Geheimdienst und Staatsmedien. Alle drei sind straff organisiert und unterstützen die offizielle Linie des Präsidenten.

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Sabotage und Überläufer beim russischen Militär, Zweifel und Lecks beim Geheimdienst

Nun häufen sich allerdings Berichte darüber, dass die Gefolgschaft beim Militär und beim Inlandsgeheimdienst FSB bröckelt. Von mehreren in der Ukraine eingesetzten Einheiten werden Fälle von Sabotage und Überläufern gemeldet. So wurden bei liegen gebliebenen russischen Panzern aufgeschnittene Benzinleitungen entdeckt. Soldaten sollen sich sogar zu Fuß auf den Weg zurück nach Russland gemacht haben. Wo die Moral in einigen russischen Einheiten offenbar sehr niedrig war, schlugen andere derweil umso brutaler zu, setzten dabei auch geächtete Streu- und Vakuumbomben gegen Zivilisten ein. Nachrichten über diese Kriegsverbrechen wirken allerdings auch wiederum zersetzend auf die Moral der russischen Heimatfront: Immer stärker werden offenbar die Zweifel an dem Einsatz und der absurden Begründung, die Truppen würden die Ukraine entnazifizieren.

Nun berichtet die britische Times sogar von erheblichen Zweifeln innerhalb des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB an der Entscheidung der eigenen Staatsführung. So seien sensible Informationen über Anschlagspläne auf den ukrainischen Präsidenten Selenskyj direkt an die Gegenseite weitergegeben worden: aus der Perspektive von Putin Hochverrat. Doch schon vor der Invasion waren detaillierte Informationen aus dem innersten Führungszirkel an ausländische Geheimdienste geraten. So abgeschottet der russische Machtapparat sich gibt, er ist offenbar weit löchriger, als es zunächst scheint.