Eine Kleinstadt in Brandenburg: Wie reagieren die Menschen auf Asylbewerber? Foto:  dpa/Oliver Killig

Berlin - Führt der Zuzug von Flüchtlingen in einer Gemeinde zu mehr kultureller Offenheit – oder verstärken sich ablehnende Einstellungen? Diese Frage haben Forscher aus Mannheim, Berlin und New York in Ostdeutschland untersucht. Die Experten verglichen Ost-Dörfer, in denen Asylbewerber untergebracht wurden, mit Gemeinden, in denen zur Zeit der Flüchtlingskrise 2015 und 2016 keine Ausländer ankamen.

Das Ergebnis: Die Stimmung in den ostdeutschen Dörfern und Kleinstädten kippte nicht. Die Aufnahme von Asylbewerbern hat ausländerfeindliche Einstellungen insgesamt weder verstärkt noch reduziert. Die durchaus verbreiteten Vorbehalte gegen Migration „scheinen sich also weniger auf die Situation vor Ort als vielmehr auf die Gesellschaft als Ganzes zu beziehen“, sagt Johanna Gereke vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung. Auch auf das Wahlverhalten habe sich der Zuzug in den 236 untersuchten Ortschaften nicht stark ausgewirkt. In allen Ortschaften, die untersucht wurden, hatten zuvor kaum Migranten gelebt.

Unterstützung für die AfD

Die Forscher stellten lediglich in fünf Gemeinden, in denen eine relativ hohe Zahl von Flüchtlingen (200 bis 600 Schutzsuchende pro 1000 Einwohner) untergebracht worden war, eine etwas größere Unterstützung für die AfD fest als in Gemeinden, die weniger oder gar keine Flüchtlinge aufgenommen hatten. Die im Herbst 2015 von Frauke Petry und Jörg Meuthen geführte rechtspopulistische Partei hatte sich 2015 klar gegen Asyl-Zuwanderung positioniert.

Und noch etwas fiel den Wissenschaftlern auf: Bei Menschen mit politisch eher rechten, zuwanderungsfeindlichen Einstellungen wirkte sich die Anwesenheit von Flüchtlingen vor Ort etwas mäßigend aus. Umgekehrt seien Menschen mit eher linken, zuwanderungsfreundlichen Einstellungen nach der Ansiedlung von Flüchtlingen in ihrer Gemeinde in Bezug auf Migration kritischer geworden. In der Summe änderten sich die Einstellungen aber nicht.

Wichtig ist bei der Betrachtung der Daten jedoch, dass hier nur kleinere, ländliche Ortschaften im Osten untersucht wurden. In größeren Städten und in Ortschaften, wo schon zuvor viele ausländische Studenten und Arbeitsmigranten lebten, mögen die Verhältnisse anders liegen. (mit dpa)