Militärs in Kundus – die Eroberung der Stadt ist der bisher größte Erfolg für die Taliban. AFP/STR

Erst Ende Juni wurden die letzten Kräfte der Bundeswehr aus Afghanistan abgezogen. Seitdem erobern die radikal-islamischen Taliban täglich neue Gebiete am Hindukusch. Gestern eroberten sie auch die Stadt Kundus im Norden Afghanistans nach wochenlanger Belagerung.

In Videos aus der Stadt ist zu sehen, wie die Islamisten durch die Straßen patrouillieren. Dort, wo Bundeswehr-Soldaten zehn Jahre lang im Einsatz für die Freiheit Afghanistans waren.

„Kundus ist gefallen. Die Taliban haben alle wichtigen Gebäude der Stadt unter ihre Kontrolle gebracht“, berichtete ein AFP-Korrespondent vor Ort und bestätigte damit eine Erklärung der Islamisten. „In verschiedenen Teilen der Stadt finden heftige Kämpfe in den Straßen statt“, sagte Amruddin Wali, ein Mitglied des Provinzrats. Einige Sicherheitskräfte hätten sich in Richtung des Flughafens zurückgezogen.

„Die Taliban marschieren in den Straßen der Stadt und terrorisieren die Einwohner“, berichtet Lokalpolitiker Sayed Asadullah Danish. Die Provinzbeamten sind auf eine Armeebasis außerhalb der Stadt geflüchtet – da, wo die Kämpfe noch weitergehen.

Bundeswehr war ein Jahrzehnt in Kundus stationiert

Nur wenige Stunden später fiel mit Sar-i-Pul im Nordwesten die vierte Provinzhauptstadt binnen drei Tagen in die Hände der Islamisten.

Die Taliban haben seit dem Beginn des Abzugs der internationalen Truppen im Mai weite Teile des Landes erobert. Die Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Kundus ist ihr bislang größter Erfolg. Während des Krieges in Afghanistan war die Bundeswehr rund ein Jahrzehnt lang in Kundus stationiert. Von 2003 bis 2013 überwachten deutsche Soldaten vom Feldlager Kundus die Sicherheit im Norden des Landes.

Kundus ist symbolträchtige Stadt für Deutschland

„Der Vormarsch der Taliban in Afghanistan ist eine bittere Konsequenz aus der Entscheidung, die internationale militärische Hilfe in Afghanistan im Sommer einzustellen. Den Boden für diese Entscheidung hatte Präsident Trump bereitet“, kommentierte der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jürgen Hardt, den Eroberungsfeldzug der Islamisten.

„Der Fall vom Kundus ist für Deutschland besonders schmerzlich. Deutsche Soldatinnen und Soldaten haben hier zehn Jahre an der Seite ihrer afghanischen Kameraden erfolgreich gegen die Taliban Widerstand geleistet. Mit dem Abzug der ausländischen Truppen kippte die fragile Machtbalance zugunsten der Islamisten.“