Der 21-jährige Brahim Aouissaoui griff Gläubige in der Basilika Notre-Dame in Nizza an. Foto: AFPTV teams/AFP

Paris - Nach dem brutalen Messerangriff mit drei Toten in einer Kirche in Nizza kommen immer mehr Details über den festgenommenen Täter ans Licht. Er ist Tunesier - wie der Nizza-Attentäter von 2016.

Wer ist der Täter?

Es handelt sich laut Ermittlern um einen 21-jährigen Tunesier, der nach Angaben seiner Familie Brahim Issaoui heißt. Auf einem Dokument des italienischen Roten Kreuzes war sein Nachname fälschlicherweise mit Aouissaoui angegeben.

Wie kam er nach Frankreich?

Issaoui landete nach bisherigen Erkenntnissen mit einem Flüchtlingsboot am 20. September auf der italienischen Insel Lampedusa. Von dort gelangte er am 9. Oktober nach Bari aufs Festland.

Brahim Aouissaoui wurde aus Italien ausgewiesen, reiste im September nach Frankreich.  Foto: AFPTV teams/AFP

Die italienischen Behörden wiesen ihn an, das Land binnen sieben Tagen wieder zu verlassen. Er reiste ohne gültige Papiere nach Frankreich weiter, wo er sich seit knapp 20 Tagen aufhielt. Der 21-Jährige stellte laut Innenministerium keinen Asylantrag.

Was sagt sein tunesisches Umfeld?

Der tunesischen Polizei war Brahim Issaoui wegen Gewalt und Drogenhandel bekannt, aber offenbar nicht als radikaler Muslim. Der junge Mann stammt aus einer kinderreichen Familie in der tunesischen Küstenstadt Sfax.

Die Mutter von Brahim Aouissaoui aus der tunesischen Küstenstadt Sfax beschreibt ihren Sohn als Einzelgänger. Foto: Fethi Belaid/AFP

Seine Mutter sagte der Nachrichtenagentur AFP, Brahim habe Mofas repariert, um Geld zu verdienen. Seit zweieinhalb Jahren habe er viel gebetet. „Er ging nicht aus und sprach nicht mit den anderen“, berichtete sie.

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Sein Bruder Yassine Issaoui gibt an, er habe noch am Vorabend des Attentats mit Brahim telefoniert. „Er sagte, dass in Frankreich die Arbeit besser sei.“

Wie ging der Täter in Nizza vor?

Issaoui drang am Donnerstag um 8.29 Uhr morgens in die Basilika Notre-Dame im Stadtzentrum ein und griff drei Menschen an. Dabei nutzte er laut Staatsanwaltschaft ein 30 Zentimeter langes Messer mit einer 17 Zentimeter langen Klinge. Er tötete den 55-jährigen Küster und schlitzte einer 60-jährigen Frau die Kehle so weit auf, „dass es einer Enthauptung gleichkommt“, wie Staatsanwalt Jean-François Ricard sagte. Eine ebenfalls angegriffene 44-jährige Brasilianerin konnte aus der Kirche fliehen, erlag dann aber in einer Bar ihren Stichwunden.

Ein Meer von Blumen und Kränzen am Eingang der Kirche Notre-Dame - ganz Nizza trauert um die Opfer der blutigen Attacke.  Foto: Valery Hache/AFP

Was geschah dann?

Von Zeugen alarmierte Polizisten versuchten, den Täter zu stellen. Als er mit dem Schrei „Allahu Akbar“ (Gott ist groß) auf sie losging, wollten sie ihn mit einer Elektroschockpistole überwältigen, mussten dann aber laut Staatsanwalt mehrfach auf ihn schießen. Issaoui wurde schwer am Hals und Bein verletzt und lag zuletzt in Lebensgefahr im Krankenhaus.

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In seiner Tasche fanden die Ermittler zwei weitere Messer, zwei Handys sowie einen Koran. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er noch viel mehr Menschen töten wollte. Sie ermittelt wegen „Mordes“ im Zusammenhang „mit einer terroristischen Tat“.

Handelte Issaoui alleine?

Die Behörden nahmen einen 47-Jährigen fest, der mit dem Tunesier vor der Tat telefoniert haben soll. Es ist aber laut Polizei nicht sicher, ob er ein Komplize ist. Anders als bei früheren Anschlägen in Frankreich bekannte sich keine Dschihadistengruppe zu der Tat. Den Sicherheitsbehörden in Europa war Issaoui nicht als radikalisiert bekannt.

Welche Vorbilder könnte der Tunesier haben?

Der Vergleich mit dem Tunesier Mohamed Lahouaiej-Bouhlel drängt sich auf. Dieser war am französischen Nationalfeiertag am 14. Juli 2016 mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge in Nizza gerast und hatte 86 Menschen getötet. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich.

Das auf islamistische Webseiten spezialisierte US-Institut Site berichtet, eine Untergruppe der IS-Miliz rufe nun weitere „Einsame Wölfe“ zu Anschlägen auf. Angestachelt haben könnten Issaoui auch die jüngsten Proteste gegen Frankreich im Streit um die Neuveröffentlichung der Mohammed-Karikaturen durch die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ im September.