Öko-Aktivistin Greta Thunberg gehört zum Favoritenkreis. Foto: dpa/AP/Virginia Mayo

Oslo - Thunberg oder Trump, WHO oder Black Lives Matter, ein Preis für Journalisten oder wieder einer für Friedensstifter in Afrika: Die Spekulationen kochen hoch, wer den Friedensnobelpreis 2020 erhält. Die Welt blickt gespannt nach Oslo, wo das Nobelkomitee am Freitag das Geheimnis des neuen Preisträgers lüften wird.

Geht es nach Friedensforschern, dann könnte der Preis diesmal an eine Journalistenorganisation, Menschenrechtler oder prodemokratische Aktivisten gehen. Die Buchmacher glauben hingegen an die Weltgesundheitsorganisation WHO und die Klimaaktivistin Greta Thunberg - und ein Mann in den USA glaubt ganz besonders an sich selbst ...

318 Kandidaten nominiert

Insgesamt wurden laut Nobelkomitee 318 Kandidaten für die Auszeichnung nominiert - 211 Persönlichkeiten und 107 Organisationen. Das ist die vierthöchste Nominiertenzahl seit der ersten Preisvergabe im Jahr 1901.

Die Namen der Nominierten hält das Komitee traditionell für 50 Jahre geheim. Dafür hat aber eine Reihe von Nominierungsberechtigten - dazu gehören Politiker, Akademiker und frühere Friedensnobelpreisträger - enthüllt, wen sie der Jury in Oslo vorschlugen. Demnach ist definitiv Thunberg im Rennen, aber auch die nach Demokratie strebende Bevölkerung Hongkongs, der Whistleblower Edward Snowden und Wikileaks-Gründer Julian Assange.

Julian Assange ist ebenfalls im Rennen. Foto: dpa/PA Wire/Dominic Lipinski

Eine Nominierung muss jedoch nichts heißen. „Für den Friedenspreis nominiert zu sein, sagt überhaupt nichts über die Sicht des norwegischen Nobelkomitees aus“, so der Exekutivdirektor der Nobelstiftung, Lars Heikensten. „Eine Nominierung an sich bedeutet nicht, dass man dicht davor steht, den Friedensnobelpreis zu bekommen.“

Dasselbe gilt für den Fall, dass einen Fachleute und Buchmacher zu ihren Favoriten zählen - das erlebte etwa Greta Thunberg im Vorjahr: Obwohl die junge Schwedin als eine Topfavoritin gehandelt wurde, ging der Preis 2019 an Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed.

Die WHO wird es wohl nicht ...

Wer könnte es diesmal werden? Einen ersten Hinweis dazu gibt bereits die Nominierungsfrist: Kandidaten für dieses Jahr mussten bis 31. Januar eingereicht werden. Das bedeutet, dass ein Preis für die in der Pandemie omnipräsente WHO eher als unwahrscheinlich betrachtet wird, schließlich nahm die Corona-Krise erst im Frühjahr Fahrt auf. Ähnlich dürfte es für die weißrussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja aussehen, da sich die Lage in ihrem Land erst nach der Präsidentenwahl im August zuspitzte.

Beim Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri hält man es für möglich, dass das Nobelkomitee diesmal einen Preis für den Kampf für Menschenrechte oder die Umwelt ins Auge fasst. Laut Sipri-Direktor Dan Smith könnte es einen Preis für Greta Thunberg gemeinsam mit anderen jungen Aktivisten aus aller Welt geben.

US-Präsident Donald Trump hält sich für einen würdigen Preisträger. Aber seine Chancen sind gering. Foto: Imago Images/Zuma Wire/Tia Dufour 

Junge Aktivistinnen wie Alaa Salah aus dem Sudan, Hadschar Scharif aus Libyen und Ilwad Elman aus Somalia zählen ebenfalls zum Favoritenkreis. Und auch der Name des vergifteten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny steht auf der Liste. Er war vor kurzem nach wochenlanger Behandlung aus der Berliner Charité entlassen worden.

Friedensforscher sind sich derweil einig, dass es einer nicht wird: Donald Trump. Der US-Präsident hält sich selbst natürlich für einen würdigen Preisträger. Von ihm ist das Zitat überliefert, er würde Nobelpreise „für viele Sachen“ bekommen - „wenn man sie fair vergeben würde, was nicht der Fall ist“.