Arbeit wäre genug da - wenn denn der Nachschub an Rohstoffen und Vorprodukten funktionieren würde. Foto: dpa

Fünf führende  Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre herbstliche Gemeinschaftsprognose für die deutsche  Konjunkturentwicklung 2021 und 2022 deutlich gegenüber ihrer Vorhersage im Frühjahr verändert. Danach wird die Wirtschaft 2021 nur um 2,4 Prozent wachsen. Im April waren noch 3,7 Prozent prognostiziert worden. Dafür soll die Wirtschaftsleistung Deutschlands 2022 um 4,8 statt um 3,9 Prozent zulegen.

 Weil die Infektionswellen die Erholung im Winterhalbjahr 2020/2021 ver­zögert hätten, steige das Bruttoinlandsprodukt seit dem Abebben der Pandemie im Frühjahr deutlich. „Allerdings behindern im Verarbeitenden Gewerbe Lieferengpässe bei Vorprodukten die Produktion, sodass nur die kon­sumnahen Dienstleistungsbranchen zulegen.“

Lieferengpässe belasten Wirtschaftsentwicklung

Im Winterhalbjahr 2021/2022 dürfte die Erholung weiterhin gebremst werden. So sei davon auszugehen, dass in der kalten Jahreszeit die Aktivität im Dienstleistungsbereich auch bei gerin­gem Infektionsgeschehen unter dem sonst üblichen Niveau bleiben werde. Zu­dem würden die Lieferengpässe die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe vor­erst weiter belasten.

2022, so erwarten die Forscher, würden die Beeinträchtigungen durch Pandemie und Lieferengpässe   allmählich über­wunden, sodass die Normalauslastung wieder erreicht wird.

„Insgesamt dürfte das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2021 um 2,4 Prozent und im Jahr 2022 um 4,8 Prozent zulegen“, sagt Oliver Holtemöller, Vizepräsident des Leibniz-Instituts für Wirt­schaftsforschung Halle (IWH).

Was die Inflation angeht, erwarten die Institute über das gesamte Jahr 2021 einen Anstieg der Ver­braucherpreise um 3 Prozent im laufenden Jahr und um 2,5 Prozent im Jahr 2022.

Angesichts der kräftigen Zunahme des  Bruttoinlandsprodukts werde die öffentliche Schuldenstands-Quote - das Verhältnis von Krediten des Staats zur Wirtschaftsleistung - wohl von 71 Prozent im Jahr 2021 auf 67 Prozent im Jahr 2022 ab­nehmen.   

An der Prognose beteiligt sind das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), das IWH Halle, das ifo-Institut München, das Institut für Weltwirtschaft Kiel (IfW Kiel) sowie das RWI Essen.