Frank Ulrich Montgomery, Präsident des Weltärztebundes, ist tief besorgt. dpa/Guido Kirchner

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt weiter dramatisch: 67.125 neue Fälle wurden Samstagfrüh binnen 24 Stunden gemeldet, vor genau einer Woche waren es 63.924 Ansteckungen.

Die Sieben-Tage-Inzidenz klettert auf 444,3 (Vortag: 438,2), die zehn am stärksten betroffenen Landkreise liegen fast alle in Sachsen und Bayern. In allen Landkreisen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei mehr als 1000.

Der Anstieg der Corona-Zahlen scheint kaum zu bremsen. Im Gegenteil rechnet der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, mit einer Verdopplung der Corona-Inzidenz innerhalb der nächsten zehn Tage. „In der Nikolauswoche könnten wir Inzidenzen zwischen 700 und 800 haben“, sagte der Mediziner den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstagsausgaben).

Alle Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie, die jetzt noch ergriffen würden – selbst Kontaktbeschränkungen oder Lockdowns – würden erst mit einer Verzögerung von zwei Wochen zu wirken beginnen.

Strikte Reduzierung der Kontakte nötig

„Wir können nichts mehr daran ändern, dass am Tag der Kanzlerwahl von Olaf Scholz die Zahlen dramatisch hoch sein werden“, sagte Montgomery. Der Weltärztebund-Vorsitzende forderte eine strikte Reduzierung der Kontakte und bundesweit das Schließen der Weihnachtsmärkte, um die Infektionskurve wieder zu senken.

„Es bringt nichts, die Weihnachtsmärkte in der einen Region zu verbieten, wenn die Leute dann in eine andere fahren, wo sie noch geöffnet sind“, sagte Montgomery. Länder und Kommunen sollten zudem zu Silvester größere Feiern, Feuerwerk und private Böllerei verbieten. „Das verhindert nicht nur Ansteckungen, sondern entlastet auch die Notfallambulanzen.“

Omikron-Variante breitet sich rasend schnell aus

Mit Blick auf die in Südafrika neu entdeckte Virusvariante B.1.1.529 sagte Montgomery, diese sei ein gutes Beispiel dafür, dass dem Virus keine Chance zur Mutation gegeben werden dürfe. Noch sei unklar, wie gefährlich die neue Variante sei, aber sie scheine sich rasend schnell auszubreiten. „Meine große Sorge ist, dass es zu einer Variante kommen könnte, die so infektiös ist wie Delta und so gefährlich wie Ebola.“

Eine Ebola-Infektion führt meist zu hohem Fieber und inneren Blutungen und endet sehr oft tödlich. Der bislang folgenschwerste Ausbruch war 2014/2015 in Westafrika, damals starben mehr als 11.000 Menschen.

Die Bundesregierung beschränkt von Sonntag an die Einreise aus Südafrika und sieben weiteren afrikanischen Ländern. Städte und Gemeinden forderten schärfere Maßnahmen gegen das Virus.

Omikron-Variante auch für Geimpfte gefährlich

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte in den ARD-„Tagesthemen“, wenn die möglicherweise gefährliche Variante auch Deutschland erreichen würde, dann wäre das ein riesiges Problem. „Denn es ist nichts schlimmer, als eine besonders gefährliche Variante in eine laufende Welle hineinzubekommen.“ Die Variante scheine für Geimpfte und Ungeimpfte gefährlich zu sein. „Daher müssen wir mit Reisebegrenzungen hier arbeiten, hier zählt wirklich jeder Tag, der gewonnen werden kann, bis diese Variante kommt.“