Eine historische Gaslaterne beleuchtet eine Straße in der Altstadt von Mainz. Angesichts drastisch gestiegener Energiekosten planen erste Städte weitere Einsparungen bei der Straßenbeleuchtung. dpa/Peter Zschunke

Es wird düster in einigen deutschen Städten: Weil die Strompreise immer tiefere Löcher im Haushalt fressen, haben sich jetzt mehrere deutsche Städte dazu entschlossen, die Straßenbeleuchtung nachts herunterzudimmen oder zeitweise ganz abzuschalten. Andere Städte warnen: Das geht zulasten der Sicherheit. Im Fokus steht die Verkehrssicherheit, doch dunkle Straßen in Großstädten erhöhen auch die Angst, Opfer von Gewaltverbrechen zu werden. Bürger fordern eher mehr als weniger Licht auf den Straßen!

Warum sind Städte nachts eigentlich taghell erleuchtet? Autos und Krafträder sind mit Scheinwerfern ausgestattet, auch Fahrräder fahren inzwischen mit teils gleißend hellen Halogenlampen ausgestattet. Könnte man nicht auf die Straßenbeleuchtung zumindest teilweise verzichten? Zu dieser Überlegung kommen inzwischen immer mehr Kommunen in Deutschland mit Blick auf horrend steigende Stromkosten. Andererseits: Fußgänger laufen ja in aller Regel nicht mit Taschenlampen umher, und für die meisten Großstädter hat die Beleuchtung auch eine wichtige psychologische Funktion: Sie unterstützt das Sicherheitsgefühl. Viele Gewaltverbrechen spielen sich in verlassenen, schlecht beleuchteten Ecken ab. Vor allem Frauen überkommt Angst, in dunklen Gassen möglicherweise Opfer von Verbrechen zu werden.

Vor diesem Hintergrund spielt sich gerade Diskussion in vielen Kommunen ab: Die Städte suchen nach Möglichkeiten, die massiv steigenden Energiekosten abzusenken. Einsparungen sind da das Gebot der Stunde. Eine reduzierte Straßenbeleuchtung sei „eine Idee im Bündel der möglichen Maßnahmen“, die in Kommunen diskutiert werde, sagte Alexander Handschuh vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. Viele Städte haben die Straßenbeleuchtung sogar schon eingeschränkt. Ein weiteres Herunterfahren komme für sie nicht mehr infrage, ergab jetzt eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Straßenlichter später an, früher aus: So sparen Städte Strom

Die Stadt Weimar wird die Dauer ihrer Straßenbeleuchtung ab dem 1. Juni reduzieren: Die Straßenlaternen werden künftig in der Sommerzeit 30 Minuten später ein- und 30 Minuten früher ausgeschaltet. In den Wintermonaten wird die ursprüngliche Beleuchtungszeit um jeweils 10 Minuten reduziert, wie die Stadt mitteilte. Damit könnten pro Jahr zwischen 70.000 und 100.000 Kilowattstunden eingespart werden - eine Einsparung von etwa 30.000 bis 40.000 Euro bei dem derzeitigen Energiepreis.

In Halle in Sachsen-Anhalt sagte eine Sprecherin der Stadtwerke, derzeit sei aufgrund von technischen und organisatorischen Maßnahmen zwar noch keine kürzere Leucht-Dauer der Stadtbeleuchtung nötig - „allerdings bereiten auch wir uns darauf vor“.

Stromspar-Sensoren: Licht für Fuß- und Radwege je nach Benutzung

Angesichts drastisch steigender Energiekosten diskutiert die Stadt Mainz über weitere Reduzierungen bei der Beleuchtung von Fuß- und Radwegen. Aktuell werde an weniger genutzten Fuß- und Radwegen die Straßenbeleuchtung zwischen 1.00 Uhr und 5.00 Uhr bereits um 50 Prozent reduziert, teilte die Stadt mit. Nun plane man erstmals eine bedarfsorientierte Straßenbeleuchtung, wobei die Laternen nur in Betrieb gehen sollen, wenn Fußgänger und Fahrradfahrer die Wege nutzen. Die Solarleuchten sollen dafür eine Sensorik bekommen.

Seit 2012 setzt die Stadt Mainz auf den Ausbau von LED-Technik bei der öffentlichen Straßenbeleuchtung. Der erzielte Einspareffekt sei enorm: Im Jahr 2021 seien durch den Einsatz der LED-Technik rund 1,7 Millionen Kilowattstunden im Vergleich zu 2012 eingespart worden. Gegenüber 2012 reduziere man den Energiebedarf dadurch jährlich um ungefähr 20 Prozent.

Intelligente Technik auch in Darmstadt: Hier wurden ein Radweg in der Stadt und auch eine bereits fertiggestellte Teilstrecke des Radschnellwegs Frankfurt - Darmstadt mit speziellen Sensoren ausgestattet: Die Lampen reagieren auf Bewegung und werden heller, wenn ein Radfahrer oder Fußgänger vorbeikommt und dunkeln danach wieder ab, wie ein Stadtsprecher sagte.

Wie bedeutend der Posten Straßenbeleuchtung für die Stadtsäckel ist, betonte das hessische Wirtschaftsministerium kürzlich: Bis zu 50 Prozent der Stromkosten einer Stadt oder Gemeinde entfielen darauf.

„Kürzere Leuchtdauer immer zu Lasten der Verkehrssicherheit“

Trotz der gestiegenen Energiepreise wollen etwa die Großstädte Leipzig und Dresden nicht bei der Straßenbeleuchtung sparen. Hier leuchten die Straßenlaternen derzeit etwa acht Stunden in der Nacht. Kürzere Betriebszeiten seien nicht geplant. „Eine kürzere Leuchtdauer geht auch immer zu Lasten der Verkehrssicherheit“, heißt es aus Dresden. Sowohl in Dresden als auch in Leipzig wird das Licht zwischen 22.00 und 6.00 Uhr gedimmt - bei konventionellen Lampen könnten so 30 Prozent der Energie eingespart werden, bei LED-Leuchten sogar bis 50 Prozent, heißt es aus Leipzig.

Die größeren Städte Mecklenburg-Vorpommerns sehen durch eine kürzere Leuchtdauer der Straßenlampen kaum Einsparpotenzial. „Wir halten uns da an die Verkehrssicherheit“, sagte etwa der Klimaschutzmanager Neubrandenburgs. „Wir sind da schon am absoluten Minimum.“

Bürger wollen eher mehr Licht

Eine Reduzierung der Leuchtdauer ist auch in Hannover, Bremen und Oldenburg nicht geplant. „Bisherige Anfragen seitens der Bürgerinnen und Bürger gehen eher in die andere Richtung, das heißt, sie wünschen eine Verlängerung der Schaltzeiten“, sagte Kim Vredenberg-Fastje, Sprecherin der Stadt Oldenburg. In den drei Städten schalten sich die Laternen automatisch mit Einbruch der Dämmerung abends ein und morgens aus. In Bremen etwa werden viele Lampen zwischen 22 Uhr und 6 Uhr auf 50 Prozent der Leistung gedimmt.

Hoffnung auf schnelleres Sparen in Berlin durch weniger Gaslaternen

In Berlin gibt es Überlegungen, zum Sparen die Umrüstung von Gas- auf Elektroleuchten zu beschleunigen. Die Zahl der in Betrieb und Wartung teuren Gaslaternen ist seit 1990 ohnehin schon von rund 44.000 auf 20.000 zurückgegangen, heißt es vom Senat. Im vergangenen Jahr konnte er deshalb feststellen, dass die Kosten für das Leuchten-Gas seit 2012 von  12,2 auf 6,3 Millionen Euro zurückgegangen sei.

Jan Thomsen, Sprecher der Umweltverwaltung von Senatorin Bettina Jarasch (Grüne) berichtet von Überlegungen, die Umrüstung von Gas auf LED zu beschleunigen. Denn bislang ist nur Geld für 2000 Umrüstungen im Jahr da. Da müsste es noch Änderungen im Doppelhaushalt 2022/23 geben.

Einfach mal Laternen ausschalten, das ginge nicht, weil sie mit gesetzlicher Verpflichtung der Verkehrssicherung für alle Verkehrsteilnehmer auf Fahrbahnen und Gehwegen dienten.