Volle Busse und Bahnen – mehr Homeoffice könnte da Abhilfe schaffen. Foto: imago images/Rüdiger Wölk

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will am Dienstag mit den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten. Merkel will mit den Länderchefs dann nicht nur über eine Verlängerung des derzeitigen Lockdowns sprechen, sondern auch über weitere Verschärfungen.

Berufsverkehr eindämmen

Angesichts der kaum sinkenden Infektionszahlen mit dem Coronavirus fordert etwa der Berliner Forscher Dirk Brockmann, die tägliche Mobilität einiger Menschen noch stärker einzuschränken. Die aktuellen Kontaktbeschränkungen wirkten nicht so gut wie der Lockdown im vergangenen Frühjahr, damals sei die Mobilität innerhalb einer Woche um 40 Prozent zurückgegangen.

Alle aktuellen News aus Politik & Wirtschaft finden Sie hier.

Es gebe nach wie vor einen Berufsverkehr, in Großstädten wie etwa Berlin bedeute das volle Bahnen und Busse, so Brockmann. Wissenschaftliche Auswertungen zeigten, dass noch immer zu viele Menschen unterwegs seien, so der Epidemiologe von der Berliner Humboldt-Universität in Radioeins vom RBB weiter.

Über mehr Homeoffice-Lösungen könnten auch dort noch viele Kontakte eingespart werden, so Brockmann. Denn man müsse sich fragen, welchen Bruchteil das offensichtlich ausmache, dass derzeit schon sehr, sehr viele im Homeoffice seien und trotzdem ein so starker Berufsverkehr stattfinde.

Lesen Sie auch: Der Shutdown rückt näher: Kommen ÖPNV-Verbot und Homeoffice-Pflicht?

Auch beim Bewegungsradius von 15 Kilometern in Corona-Hotspots könnte eine Verschärfung die Wirksamkeit weiter erhöhen, so Brockmann weiter. Mit 15 Kilometern treffe man ungefähr nur zwischen 5 und 20 Prozent der Mobilität überhaupt.

„Damit wird so etwas vermieden, wie wir das zwischen den Jahren gesehen haben, im Harz und so, dass die Leute Tagesausflüge machen. Aber ganz viel Mobilität findet auf engerem Raum statt“, erklärte der Epidemiologe. „Das heißt, wenn dieser Radius auf einen Kilometer verringert wird, zum Beispiel, dann erwischt man natürlich ganz, ganz, ganz viel mehr Mobilität. Und dadurch reduziert man dann auch letztendlich Kontakte, die zum Beispiel im ÖPNV oder auch wenn man ins Büro fährt, entstehen.“

Impfen hilft nur mittelfristig im Kampf gegen Corona

„An allen Stellschrauben, die Kontakte reduzieren, müssen wir noch stärker drehen“, sagte Brockmann am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“. Es sei wichtig, die weiterhin hohen Corona-Zahlen zu senken. „Eines ist klar, das Impfen hilft uns nicht, auf diesem Niveau rauszukommen, wo jeden Tag mindestens 1000 Menschen sterben“, sagte er. Impfen sei eine wichtige Komponente gegen die Pandemie, helfe aber erst mittelfristig, wenn viele Menschen den Schutz erhalten hätten.