Klaus Stöhr hält nichts von 2G plus. imago/teutopress

Die Corona-Infektionszahlen schnellen weiter in die Höhe, liegen Freitag früh mit 92.223 Ansteckungen binnen 24 Stunden nur noch knapp unter der 100.000er-Marke. So bedrohlich sich die Omikron-Wand gerade aufbaut, so optimistisch blickt der Berliner Virologe Klaus Stöhr in die Zukunft: Schon im Sommer werde die Pandemie zu Ende sein, schätzt Stöhr am Donnerstagabend in der rbb-„Abendschau“.

Pandemie schon im Sommer vorbei

Die Pandemie höre dann auf, wenn die Auswirkungen der Corona-Erkrankung mit denen anderer Atemwegsinfektionen wie etwa der Grippe vergleichbar seien, sagte der Wissenschaftler. Und gerade in der Omikron-Welle sieht Stöhr Anzeichen dafür, dass sich die Corona-Pandemie in diese Richtung entwickelt. Denn trotz der Rekord-Infektionszahlen steige die Belastung der Krankenhäuser nicht im gleichen Maße an.

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Die Kontaktnachverfolgung zur Corona-Bekämpfung hält Stöhr bei der Höhe der Infektionszahlen für nicht mehr sinnvoll. „Wir brauchen einen Exitplan“, sagte er in einem Podcast von „Kölner Stadt-Anzeiger“ und Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) laut Vorabmeldung vom Freitag. „Ich kann Ihnen nicht sagen, warum man in Deutschland noch Kontaktnachverfolgung machen sollte. Von der Inzidenz her ist es von den Gesundheitsämtern nicht mehr zu stemmen“.

Impfen und dann infizieren ist der beste Langzeitschutz

„Wenn ein Großteil der Bevölkerung mild und asymptomatisch infiziert ist und Antikörper hat, wird eine sogenannte Kontaktnachverfolgungs-Quarantäne sinnlos“, bekräftigte der frühere Leiter des Influenza-Programms der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

„Der beste Weg aus der Pandemie wäre: sich erst impfen lassen und sich dann infizieren. Im Paket wird es dann einen langanhaltenden Immunschutz geben. Die Kombination aus Impfschutz und Infektion ist eigentlich der Weg.“

Zur politischen Debatte über eine allgemeine Impfpflicht sagte der langjährige Leiter des globalen Influenza-Programms der WHO: „Für Omikron kommt die Impfpflicht in diesem Winter zu spät.“ Für die Atemwegserkrankungen im Winter 2022/2023 werde sie „nicht mehr notwendig“ sein.

Neueste Zahlen aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen ließen ihn zudem an der Sinnhaftigkeit der 2G-plus-Regeln zweifeln: „Wenn man sich die Inzidenzen anschaut, die Häufigkeit der Erkrankung, dann sieht man keinen Unterschied“, sagte er in dem Zeitungs-Podcast. 2G plus „macht einen Unterschied, aber nur in den Kassen der Einzelhändler.“