Ein junger Mann raucht einen Joint. imago/C3 Pictures

In den Beratungen der Ampel-Parteien geht es auch um eine mögliche Legalisierung von Cannabis. Das Thema sorgt seit Jahren für viel Diskussionen. Ein Überblick über Argumente für und gegen eine Legalisierung:

Wie sind die politischen Positionen?

CDU und CSU lehnen eine Legalisierung rundweg ab. Grüne und FDP befürworten einen regulierten Handel mit Cannabis. Die Grünen wollen die legale und kontrollierte Abgabe der Droge in lizenzierten Fachgeschäften ermöglichen und ein reguliertes System für Anbau, Handel und Abgabe von Cannabis schaffen. Kinder und Jugendliche sollen vor Drogen geschützt werden.

Auch die FDP will den Besitz und Konsum für Volljährige erlauben und Cannabis in lizenzierten Geschäften verkaufen. Die Linke hält die Legalisierung von Cannabis für überfällig. Weniger weit geht die SPD. Sie schlägt eine regulierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene in Modellprojekten vor.

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Was sind die Argumente für eine Legalisierung?

Befürworter einer Legalisierung wie die Grünen wollen „den Schwarzmarkt für Cannabis austrocknen“. Dort seien Drogen unkontrolliert zugänglich, Kinder und Jugendliche seien ungeschützt. Als weiteres Argument wird die Entlastung von Polizei und Staatsanwaltschaften ins Feld geführt. Die Kriminalisierung von Konsumenten und die Verfolgung von Cannabis-Delikten binde Kräfte bei den Ermittlungsbehörden. Wenn Cannabis ähnlich wie Zigaretten besteuert werde, könnten laut FDP nicht zuletzt jährlich bis zu einer Milliarde Euro eingenommen werden.

Steuereinnahmen bis zu einer Milliarde Euro

Eine kontrollierte Abgabe, so ein weiteres Argument, würde auch Gesundheitsrisiken durch verunreinigte Stoffe senken. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach wechselte deswegen ins Lager der Legalisierungsbefürworter. In der Rheinischen Post verwies er darauf, dass illegal verkauftem Cannabis immer häufiger neuartiges Heroin beigemischt werde, das Cannabis-Konsumenten schnell in eine Abhängigkeit treibe.

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Was ist dran an verunreinigtem Cannabis?

Das ist tatsächlich ein Problem. Der Deutsche Hanfverband, aber auch BKA und Zollkriminalamt warnen vor Cannabisprodukten mit synthetischen Cannabinoiden. Diese werden auf CBD-Hanf oder minderwertigen Cannabisblüten aufgetragen und sind laut Hanfverband bis zu hundertmal stärker als das in Cannabis enthaltene psychoaktive THC. Dadurch steigen das Abhängigkeitspotenzial und die Gefahr einer Überdosierung. Zudem wird dem Hanfverband zufolge Gras mitunter mit allem Möglichen wie Sand, Haarspray, Talkum, Gewürzen, Glas oder Blei gestreckt.

Welche Gesundheitsrisiken birgt Cannabis?

Gegner einer Legalisierung, darunter die Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig (CSU), verweisen auf die Gefahr von Psychosen und anderen Schäden an Gesundheit und Psyche. Die Reifung des zentralen Nervensystems und des Gehirns ist Experten zufolge mit 20 Jahren noch nicht abgeschlossen. Je früher, häufiger und intensiver Cannabis konsumiert werde, desto größer sei beispielsweise das Risiko gerade für vorbelastete Menschen, an einer Psychose und Schizophrenie zu erkranken. Daneben berge ein chronischer Cannabiskonsum auch eine größere Wahrscheinlichkeit für körperliche Leiden wie Atemwegserkrankungen und Hodenkrebs.

Risiken für psychische Gesundheit und Unfälle

Welche Folgen gibt es noch?

Neben dem kurzfristig berauschenden Gefühl verringert Cannabis die Aufmerksamkeit und schränkt die Psychomotorik ein, also die durch psychische Vorgänge beeinflussten Bewegungen wie Gehen und Sprechen. Das Risiko für Arbeits- und Verkehrsunfälle steigt. Jugendliche, die Cannabis nehmen, haben häufiger Schulprobleme und brechen ihre Ausbildung öfter ab.

Was hat es mit dem THC-Wert auf sich?

Tetrahydrocannabinol (THC) ist eine psychoaktive Substanz, die in Hanfpflanzen vorkommt und neben Cannabidiol (CBD) einer der wichtigsten Inhaltsstoffe ist. THC wird der Hauptanteil der berauschenden Wirkung zugesprochen. Untersuchungen zufolge ist der THC-Wert in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Bei Cannabisharz, auch Haschisch genannt, verdreifachte sich der mittlere THC-Gehalt in etwa und bei Cannabisblüten verdoppelte er sich nahezu. Experten zufolge könnte damit auch eine Zunahme der Gesundheitsgefahren verbunden sein – was für Legalisierungsgegner ein weiteres Argument ist.

Laut Medizinern der Universität Ulm ist im Gegenzug in vielen hochgezüchteten Cannabissorten der Gehalt an Cannabidiol, dem eine entspannende bis angstlösende Wirkung nachgesagt wird, gesunken. Dieses Missverhältnis zwischen viel THC und wenig CBD sei ein erhöhtes Risiko für Cannabis-Psychosen.