In einem Moskauer Einkaufszentrum warten Menschen auf ihre Impfung. In der russischen Hauptstadt gibt es genügend Impfstoffe.
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Für den russischen Präsidenten Wladimir Putin ist der Corona-Impfstoff Sputnik V das „beste Vakzin der Welt“. Doch das Impfen geht im Riesenreich nur schleppend voran. Selbst Deutschland hat inzwischen eine bessere Impfquote.

Dennoch gibt es täglich Jubelmeldungen in Russland zu Sputnik V. Das erinnert an die Tage, als die Sowjetunion 1957 den ersten Satelliten der Welt ins All schoss, Sputnik 1. Deshalb ist das Vakzin auch nach ihm benannt, wie der Chef des staatlichen russischen Direktinvestmentfonds RDIF, Kirill Dmitrijew, hervorhebt. Gerade erst hat Russlands oberster Vermarkter des Präparats die Weltpresse zusammengerufen, um von neuen Erfolgen zu berichten. „Indien ist das 60. Land, das Sputnik V zugelassen hat. Ein Meilenstein.“

Doch eine EU-Zulassung ist weiter nicht in Sicht. Aktuell sind Experten der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) in Russland unterwegs, weil sie viele Fragen haben zu den bisher vorgelegten russischen Daten. Sie besuchen Kliniken, in denen geimpft wird, Produktionsstätten und Lagerräume. Eine Entscheidung erwartet Jérôme Lepeintre bei der EU-Vertretung in Moskau aber erst im Juni oder Juli. Dann soll Sputnik auch in Deutschland eingesetzt werden, falls es zugelassen wird.

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Drei Milliarden Menschen lebten in den Ländern, die bisher Sputnik zugelassen hätten – ein riesiges Potenzial, betont Dmitrijew. Nun sehnt er noch die EU-Zulassung herbei. Sputnik soll zum Exportschlager werden. Doch vielfach gestellte Fragen zu konkreten Produktionszahlen lässt Dmitrijew unbeantwortet. Russlands Impf-Funktionäre sehen sich seit langem Kritik ausgesetzt, sie würden nicht transparent mit Zahlen umgehen. Es gibt Zweifel, ob Russland auch nur einen Bruchteil seiner bisher international zugesagten Dosen überhaupt liefern kann.  

In der sibirischen Region Irkutsk stehen Menschen an einem Zug an, der von Ort zu Ort fährt und in dem man sich impfen lassen kann.
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Wer im russischen Staatsfernsehen Reportagen von Sputnik-V-Transporten etwa nach Lateinamerika sieht, bekommt rasch den Eindruck, dass der Impfstoff die Welt erobert. Dabei klagen sogar viele Regionen jenseits von Moskau über Lieferengpässe, wie Putin einräumen musste. Nach seinen Angaben haben erst 4,3 Millionen Menschen die beiden notwendigen Spritzen erhalten. Das sind knapp drei Prozent der 146 Millionen Einwohner.

In Deutschland liegt die entsprechende Impfquote doppelt so hoch, obwohl hier später als in Russland und anfangs sehr zäh mit dem Impfen begonnen wurde. 6,2 Prozent der Bevölkerung bekamen nach Angaben des Robert Koch-Instituts bisher die beiden notwendigen Spritzen verabreicht, fast 17 Prozent mindestens eine.  

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Offenkundig trauen auch viele Russen dem Präparat nicht, lassen sich nicht impfen: Bei einer repräsentativen Umfrage des Lewada-Instituts im Februar sagten 62 Prozent, sich nicht mit Sputnik V impfen lassen zu wollen. Der russische Journalist Maxim Trudoljudow erklärt das damit, dass die russische Führung häufig Verschwörungstheorien verbreite, was auf die Bevölkerung übergegriffen habe und zu Angst vor dem Vakzin führe. Laut derselben Umfrage waren 64 Prozent der Russen der Meinung, das Corona-Virus sei künstlich geschaffen und eine Art neue Biowaffe.

Russland hat neben dem international bekannten Impfstoff Sputnik V zwei weitere: EpiVacCorona und CoviVac. Putin hat sich bereits seine erste Spritze verpassen lassen. Er ließ aber nicht mitteilen, für welchen Impfstoff er sich entschied und bei der Injektion auch nicht fotografieren. Spötter in Russland verbreiten, er habe sich gar nicht impfen lassen.