Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gab ihre letzte Sommerpressekonferenz. AFP/Hannibal Hanschke

Wieder ein Abschied: Zum letzten Mal stellte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf ihrer traditionellen Sommerpressekonferenz den Fragen der Journalisten – und sprach über Klimawandel, Corona und was sie sich von ihrem Nachfolger wünscht ...

Mehr Tempo im Kampf gegen den Klimawandel

Merkel sieht Deutschland bei der Modernisierung und Zukunftstechnologien vor großen Herausforderungen und räumte Versäumnisse im Kampf gegen die Klimakrise ein. „Das Tempo muss angezogen werden“, sagte Merkel. Gemessen an dem Ziel, den weltweiten Klimaanstieg bis auf zwei Grad zu begrenzen, sei während ihrer Kanzlerschaft „nicht ausreichend viel passiert“. Sie rechne mit einem tiefgreifenden Wandel unseres Lebens. Da müssten möglichst viele Menschen mitgenommen werden, so Merkel.

Zur Bewältigung der Unwetterkatastrophe im Westen Deutschland schwor die Kanzlerin das Land auf eine gemeinsame Kraftanstrengung ein. „Wir werden zur Behebung all dieser Schäden einen langen Atem brauchen.“

Warnung vor exponentiellem Wachstum der Corona-Neuinfektionen

Eindringlich warb Merkel angesichts sprunghaft steigender Corona-Zahlen für die Einhaltung der Corona-Regeln und mehr Impfungen. „Je mehr geimpft sind, umso freier werden wir wieder sein“, sagte die Kanzlerin, räumte allerdings auch ein: „Wir werden bis Ende Juli, Anfang August nicht für jeden ein Impfangebot haben.“ Es gebe noch keinen Impfstoff für Kinder, keine Empfehlung für Jugendliche, und es gebe auch Menschen, die sich nicht impfen lassen können.

Sanktionen gegen Russland möglich

Zum Gaspipeline-Projekt Nord Stream 2 sagte Merkel, man habe eine Einigung mit der US-Regierung erzielt, nicht aber mit dem US-Kongress. Dort gibt es viele Gegner der Pipeline, die unter der Umgehung der Ukraine Erdgas von Russland nach Deutschland bringen soll. „Die russische Seite hat mir gesagt, dass sie Energie nicht als Waffe einsetzen will“, fügte sie hinzu. „Wir sind nicht wehrlos.“ Merkel verwies darauf, dass notfalls auch Sanktionen gegen Russland verhängt werden könnten, sollte der Status der Ukraine als Gastransitland in Gefahr geraten.

Was wünscht sich Merkel von ihrem Nachfolger?

Erstmals sprach Merkel kurz vor Ende ihrer 16-jährigen Amtszeit auch über ihre Nachfolge. Von dem neuen Kanzler – es kandidieren ausschließlich Westdeutsche – wünscht sie sich, dass er oder sie weiter auf Ostdeutschland schaue, „dass einfach ein großes Interesse für Biografien aus der ehemaligen DDR da ist“. Es gebe dort Verletzungen aus der Zeit der Wiedervereinigung.