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Jens Spahn, der Gesundheitsminister von der CDU, hat dieser Tage einen schweren Stand. Die SPD, Koalitionspartner seiner Partei, schilt ihn, weil die Impfungen gegen Corona nicht so flutschen wie erhofft.

Das stimmt wohl. Ob jedoch die Vorwürfe stichhaltig sind, muss man sehr in Zweifel ziehen. So schimpft die SPD, dass in Verantwortung Spahns und der EU zu wenig Impfstoff bestellt worden sei. Das ist albern. Man stelle sich vor, man geht in den Supermarkt an der Ecke und bestellt an der Fleischtheke fünf Tonnen Steak. Das kann man machen, aber man wird diesen Fleischberg nicht bekommen.

Ähnlich verhält es sich mit dem Impfstoff. Genaue Produktionsmengen sind nicht bekannt, aber man kann davon ausgehen, dass Biontech/Pfizer und jetzt auch Moderna ihre komplexen, empfindlichen Produkt so schnell es geht herstellen. Dabei ist davon auszugehen, dass in der Industrie nicht eine neue Produktionsstrecke niemals sofort alles glatt geht.

Noch alberner wird es, wenn seitens der SPD so getan wird, sie habe mit der Bundesregierung und ihrem Handeln nichts zu tun. Olaf Scholz, der Vizekanzler, hätte keinen Brief mit Fragen an Spahn schicken müssen, um sich schlau zu machen. Er hätte ihn einfach fragen können, im Kabinett, in dem er mit dem Ministerkollegen sitzt. Doch das wäre natürlich nicht öffentlichkeitswirksam geworden.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass die SPD angesichts von Umfragewerten - gut für Spahn und die CDU, weniger gut für sie - und wegen der anstehenden Bundestagswahl so verzweifelt ist, dass sie nach jedem Strohhalm und untauglichen Mitteln greift, dem ungeliebten Koalitionspartner am Zeug zu flicken.

Allerdings sind es noch fast neun Monate bis zur Wahl. Dann werden die Probleme des Januars im September vergessen sein. Entweder, weil sich das Impfen verstetigt, oder weil andere Themen nach vorn drängen. Das hätte die SPD bedenken sollen.