Senioren haben in Österreich gut lachen – sie gehen früher in Rente und haben höhere Bezüge. Foto: Imago Images/Westend61

Alle zahlen in die Rente ein – und im Durchschnitt bekommen alle mehr heraus. Eine verlockende Vorstellung, die durch eine Reform der Alterssicherung sogar Wirklichkeit werden könnte. Das sagen zumindest die Linken. Man müsste es dafür in Deutschland nur so machen wie in Österreich.

„In Österreich erhält ein Durchschnittsverdiener, wenn er in Rente geht, rund 800 Euro mehr als ein Durchschnittsverdiener hierzulande“, rechnete Linksfraktionschef Dietmar Bartsch in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vor.

Bartsch beruft sich auf ein von ihm in Auftrag gegebenes Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages, das vom Parlament veröffentlicht wurde. Männer erhielten demnach im Nachbarland im Jahr 2018 durchschnittliche 1678 Euro Rente im Monat, Frauen 1028 Euro. Dem standen deutsche Altersrenten von 1148 beziehungsweise 711 Euro gegenüber.

Die Linke will einen Rententopf für alle – so bekämen am Ende alle Ruheständler auch mehr Geld. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Die Differenz erhöht sich noch, weil österreichische Ruheständler 14 Auszahlungen im Jahr bekommen. Dann kommen Männer im Nachbarland nach Angaben der Linken auf durchschnittlich 1958 Euro Rente monatlich, also 810 Euro mehr als Männer in Deutschland. Bei den Frauen beträgt der Unterschied unterm Strich 488 Euro.

In Deutschland wird das Renteneintrittsalter gerade schrittweise bis 2029 auf 67 Jahre angehoben. Das tatsächliche Renteneintrittsalter liegt derzeit bei 64,0 Jahren für Männer und 64,1 Jahren für Frauen. In Österreich sind es 63,2 Jahre für Männer und 60,4 Jahre für Frauen.

Der zentrale Unterschied zwischen den Rentensystemen in Deutschland und Österreich: Im Nachbarland zahlen nahezu alle Erwerbstätigen ein – Selbstständige, Beamte und Politiker eingeschlossen. In Deutschland dagegen zahlen Beamte und die meisten Selbstständigen wie auch Abgeordnete nicht in die Rentenkassen ein.

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In Österreich muss man zudem mindestens 15 Jahre versichert sein, in Deutschland nur fünf Jahre, um Rente gezahlt zu bekommen. Auch deshalb ergäben sich in Deutschland niedrigere Renten, so die Studie.

Bartsch betonte dennoch, Österreich zeige, dass es anders gehe – unter anderem mit einer Rentenkasse, in die alle einzahlen müssten, auch Abgeordnete, Selbstständige und Beamte. „Wir brauchen eine große Rentenreform in Deutschland, die sich an Österreich orientiert“, forderte der Fraktionschef.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) betonte, gute Renten seien möglich, wenn Politik und Gesellschaft es wirklich wollten. „Statt die gescheiterten privaten Rentenversicherungen noch mehr zu subventionieren, ist es bei uns jetzt Zeit für einen echten Kurswechsel“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel. Nötig seien ein stabiles und wieder höheres gesetzliches Rentenniveau, mehr Solidarausgleich im System und die Weiterentwicklung der gesetzlichen Rente zu einer Erwerbstätigen-Versicherung. Arbeitgeber müssten für ihre Beschäftigten eine Betriebsrente bezahlen. „Gäbe es darüber hinaus in Deutschland politische Mehrheiten für ein Rentensystem à la Österreich, würde der DGB sich dem nicht verweigern.“