Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will zügigere Lieferungen von E-Autos.
Foto: Paulus Ponizak

Mit Kaufprämien will die Bundesregierung den Absatz von E-Autos ankurbeln – doch für Käufer bedeutet das monatelanges, leidiges Warten auf den Neuwagen. Die Lieferprobleme bringen auch Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) auf die Palme: „Alles, was ins Stocken gerät, ärgert mich seit langem“, kritisierte der CSU-Politiker die langen Lieferzeiten bei Elektroautos. „Aber in der Zeit der Pandemie sind Schuldzuweisungen nicht angebracht.“ Die Politik habe „kraftvolle Entscheidungen“ getroffen, sagte Scheuer mit Blick auf die deutlich erhöhte staatliche Kaufprämie von bis zu 9000 Euro für ein Fahrzeug.

„Jetzt ist das Verkaufsvolumen für alternative Antriebe nicht da, speziell Elektroautos“, sagte Scheuer. „Das müssen wir auflösen. Die Hersteller müssen es möglich machen, dass wir überhaupt Elektroautos kaufen können, nicht nur in kleineren Produktvolumina – und nicht nur die vollelektronische Variante, sondern auch den Hybrid.“

Die Nachfrage nach E-Autos war zuletzt durch die aufgestockten Kaufprämien gestiegen. Die Anpassung der Kapazitäten ist für die Autobauer jedoch schwierig, es gibt zum Teil lange Lieferzeiten. So musste VW für die E-Version des Kleinstwagens Up einen Bestellstopp verhängen, weil die Produktion nicht mit den Bestellungen mithält und so längere Wartezeiten entstehen.

Im Leipziger BMW-Werk montieren Mitarbeiter ein Elektro-Auto. Foto: Jan Woitas/zb/dpa

Die Autoindustrie steckt generell in einem schwierigen Umbruch hin zu alternativen Antrieben, dazu kommt der digitale Wandel. Die Corona-Krise hatte zu einem Einbruch bei der Nachfrage nach Benzinern und Dieselautos geführt. Dies drückt auf die Ertragslage. Vor allem Zulieferer hatten angekündigt, Jobs zu streichen.

„Wir reden von Tausenden von Arbeitsplätzen. Jetzt schon“, so Scheuer zur Lage der Zulieferer. „Das ist keine Panikmache, sondern es hat einfach mit der konjunkturellen Situation, der Auftragslage und den Produktionszyklen zu tun.“

Scheuer und die CSU wollen eine Kaufprämie auch für Autos mit Verbrennungsmotor, haben sich aber damit in der Koalition nicht durchsetzen können. Bei einem „Autogipfel“ hatten Politik und Wirtschaft beschlossen, bis November die Einrichtung eines Transformationsfonds für Zulieferer zu prüfen.

Ein ID.3 steht bei Volkswagen zur Auslieferung auf einer Transportplattform in einem Autoturm der Autostadt. Er ist eines der Ersten von rund 22 Millionen Fahrzeugen, die auf Basis der neuen E-Antriebsplattform bis 2028 weltweit produziert und ausgeliefert werden sollen. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Es werde weiter Thema bleiben, wie der Automobilwirtschaft geholfen werden könne, sagte Scheuer. Es gebe verschiedene Vorschläge. „Wir wollen die neuen Fahrzeuge, die effizienter und sauberer sind, auf die Straße bringen. Der Austausch generell von Alt in Neu und natürlich von alten in neue Antriebe muss uns umtreiben. Alles – egal welcher Antrieb –, was neu auf die Straße kommt, ist effizienter und sauberer.“ Auch die Neuproduktion von Nutzfahrzeugen dürfe nicht ins Stocken geraten, sodass Werke nicht schließen müssen.

Scheuer sagte zum Umbruch in der Autoindustrie weiter: „Unbestritten liegt ein immenser Weg vor uns, den wir leisten müssen: bei den Antrieben, der Digitalisierung und der Weiterentwicklung des gesamten automobilen Sektors – damit wir Wohlstand und Arbeitsplätze sichern.“ Corona habe einen Digitalisierungsschub auch bei der Mobilität ausgelöst. „Ich appelliere an alle, jetzt nicht auf der Bremse zu stehen, sondern sich für den Transformationsprozess einzusetzen.“