Weniger Disziplin, mehr Nähe: Menschen in Süddeutschland – hier beim Oktoberfest in München.  Foto:  dpa/Andreas Gebert

Die vergleichsweise niedrigen Corona-Infektionsraten in Norddeutschland sind nach Einschätzung des Gesundheitsökonomen Jonas Schreyögg mit durch die Mentalität bedingt.

„Vielleicht ist es auch die protestantische Prägung des Nordens, die dazu führt, dass die Menschen mehr regelkonform sind“, sagte der Direktor des Hamburg Center for Health Economics (HCHE) der Universität Hamburg dem „Hamburger Abendblatt“. „In Bayern lässt man sich trotz der Gefahr manche Möglichkeit des Kontakts einfach nicht nehmen.“ Schreyögg ist gebürtiger Bayer.

Auf den Punkt gebracht: Bussi-Bussi ist gefährlicher als ein „Moin“. 

Gesundheitsökonomen Jonas Schreyögg.  Foto: picture alliance/dpa

„Es ist eine Frage der Disziplin“

„In südlichen Ländern wie Frankreich und Spanien kommen sich die Menschen recht nahe, obwohl sie wissen, dass dies ein Ansteckungsrisiko birgt“, sagte Schreyögg. Innerhalb Deutschlands gebe es ein ähnliches kulturelles Gefälle: „Es ist eine Frage der Disziplin.“ 

Der Wissenschaftler ist gebürtiger Bayer und forscht seit Frühjahr in sieben europäischen Ländern zum Umgang mit der Pandemie.

Natürlich spiele auch die Bevölkerungsdichte eine Rolle, sagte Schreyögg zum „Abendblatt“: „Dort, wo wenig Menschen auf engem Raum zusammenleben, gibt es tendenziell auch weniger Kontakte, also entsprechend weniger Gelegenheiten, sich anzustecken.“

Die Studie seines Instituts belege auch, dass die Impfbereitschaft in keiner Region Deutschlands so hoch sei wie in Norddeutschland.