In der Nacht nach der Wahl gab sich Joe Biden siegessicher, Donald Trump wegen „Wahlbetrugs“ empört. Fotos: Angela Weiss, Mandel Ngan/AFP

Washington D. C. - Es zog und zog sich hin: Noch viele Stunden nach der Schließung der letzten Wahllokale um 7 Uhr deutscher Zeit war am Mittwoch nicht klar, wer die US-Präsidentschaftswahlen gewonnen hat. Da hatte der republikanische Amtsinhaber Donald Trump (74) allerdings schon seinen Sieg über den demokratischen Herausforderer Joe Biden (77) verkündet.

Gleichzeitig kündigte er an, über den Obersten Gerichtshof (Supreme Court) die Auszählung von Briefwahlstimmen zu stoppen, weil da „betrogen“ werde. „Wir werden zum Obersten Gericht der USA gehen. Wir wollen, dass alle Stimmabgaben aufhören“, sagte Trump, und meinte das Zählen der Briefwahlstimmen.

Biden erklärte dagegen in der Wahlnacht, die Wahl sei nicht vorbei, „bis jede einzelne Stimme gezählt“ sei. „Es ist nicht an mir oder Donald Trump zu erklären, wer diese Wahl gewonnen hat.“

Für Gelächter sorgte Trump mit einem Tweet, in dem offenbar die Autokorrektur zugeschlagen hatte. Er schrieb, dass Stimmen nicht mehr abgegeben werden dürften, wenn die „Poles“ (Polen) geschlossen sind. Gemeint hatte er, wenn die „polls“ (Wahlen) beendet sind. Prompt gab es eine Antwort aus Polen: „Wir sind noch geöffnet.“

Geschlossene Polen statt beendeter polls: Der Fehler im Trump-Tweet, in dem er den Demokraten den versuchten Diebstahl seines Wahlsiegs vorwarf, sorgte für Spott. Quelle: Twitter

Die Umfragen vor der Wahl hatten einen klaren Sieg Bidens prognostiziert, aber der blieb aus. Lange blieb unklar, wer der beiden Kontrahenten die Mehrheit von 270 der 538 Wahlmänner im Electoral College erreicht, das im Dezember die endgültige  Entscheidung über die nächste Präsidentschaft fällt. Bis in den späten Nachmittag stand es 224 für Biden zu 213 für Trump. 

Es war dem Amtsinhaber gelungen, Staaten mit vielen Wahlpersonen zu gewinnen. In den meisten der 50 US-Bundesstaaten und in der Hauptstadt bekommt der Sieger alle Wahlmänner und -frauen. Und so fielen beispielsweise 29 in Florida an Trump oder 38 in Texas. Staaten, in denen die Demokraten einen Umschwung zu ihren Gunsten erhofft hatten. Biden sicherte sich zum Beispiel den Staat New York (29) und Kalifornien (55). 

In vielen Staaten, darunter Pennsylvania (20) und Georgia (16), führte Trump laut Nachwahl-Umfragen. Allerdings hatten rund 102 Millionen Wahlberechtigte vor dem Wahltag ihre Stimmen abgegeben, und deren Auszählung dauert. In Atlanta  (Georgia) konnte vier Stunden lang wegen eines Wasserrohrbruchs an der Wahlzentrale in einem Stadion nicht gezählt werden.  Großstädte mit vielen Briefwählern- so wird vermutet - neigten eher Biden zu.

Eine zentrale Wahlleitung haben die USA nicht. Die Wahlleiter der Bundesstaaten und Washingtons haben bis 8. Dezember Zeit, ihre jeweiligen Ergebnisse zu melden, bevor das Electoral College. Prozesse darum müssten erst in den jeweiligen Staaten geführt werden, ehe sie zum Supreme Court gelangen. Wie im Jahr 2000, als es auf Florida ankam und George W. Bush mit 537 Stimmen Vorsprung Florida und damit die gesamte Wahl gewann.