Pro-Nawalny-Demo: Der Staat spricht mit den Bürgern ...  Foto: AP/dpa/Anna Ogorodnik

Ist das Panik, dass das Ergebnis der Parlamentswahl im Herbst nicht ganz so prachtvoll für Wladimir Putins Partei ausgeht? Oder schlägt die russische Führung mithilfe einer willfährigen Justiz nur deshalb auf Alexej Nawalny ein, weil sie es kann? 

Von außen betrachtet ist der Furor, mit der die Kreml-Führung auf alles eindrischt, was nach Opposition riecht, kaum nachvollziehbar. Die machterhaltende Allianz ehemaliger Geheimdienstler mit den teilweise aus dem gleichen Stall stammenden Oligarchen scheint unverändert zu funktionieren, die „Sicherheitskräfte“ spuren, die Justiz urteilt nach Wunsch, schickte Nawalny ins Straflager.

Doch trotz unzähliger Festnahmen brodelt es in der Bevölkerung, die sich nach wie vor auf die Straßen wagt, um für die Freiheit des unbequemen Nawalny einzutreten. Das scheinen Putin & Co. als Schwelbrand zu sehen und Nawalny als den Mann, der mit dem Benzinkanister danebensteht, um ein richtiges Feuer zu entfachen. Das will der Präsident, der sich die Möglichkeit der Machterhaltung bis in die 30er-Jahre gesichert hat, tunlichst verhindern. 

Angesichts des überaus bescheidenen russischen Wirtschaftswachstums, das in den Jahren vor Corona geringer ausfiel als in den Zeiten der Stagnation der Sowjetunion, und angesichts deutlich steigender Lebensmittelpreise dürfte der Kreml fürchten: Eines Tages gebiert das Gemurre darüber gemeinsam mit der Empörung über die von Nawalny immer wieder aufgezeigte Selbstbedienung der Herrschenden eine wirklich machtvolle Oppositionsbewegung.    

Nur so wird erklärlich, warum Nawalnys Bewegung als „extremistisch“ abgestempelt werden soll, als Werkzeug des bösen Auslands, das Russland Schlechtes wolle. Das kann man glauben, obwohl man es eigentlich besser weiß.