Eiserner Widerstand: Ukrainer attackieren eine russische Panzerkolonne in einem Vorort von Kiew. dpa/Ukrainian Military Defense/ZUMA Press Wire Service

Kiew - Droht der ukrainischen Hauptstadt Kiew schon in den nächsten Stunden ein Großangriff? Wie Satellitenaufnahmen zeigen, löst sich der seit Tagen feststeckende 60 Kilometer lange russische Militär-Konvoi vor Kiew offenbar auf. Fahrzeuge verteilen sich auf die umliegenden Wälder und auf die nördlichen Vororte der Hauptstadt. Ob sich der Konvoi nun tatsächlich aufgelöst oder sich für einen Angriff auf Kiew neu positioniert hat, ist jedoch unklar.

Putins Krieg in der Ukraine: Experten rechnen bald mit Offensive

Experten warnten bereits, dass Russland allmählich seine logistischen Probleme überwindet und sich einen Bodenangriff auf Kiew vorbereitet. So erklärte die US-Denkfabrik „Institute for the Study of War“, dass sich die russischen Streitkräfte „weiterhin in den östlichen, nordwestlichen und westlichen Außenbezirken von Kiew auf einen Angriff auf die ukrainische Hauptstadt in den kommenden 24 bis 96 Stunden konzentrieren.“

Der 60 Kilometer lange Konvoi steht vor den Toren Kiews. AFP/Satellite image ©2022 Maxar Technologies

Nach ukrainischen Angaben versuchten die russischen Truppen, die Hauptstadt Kiew weiter einzukesseln, um sie von militärischem Nachschub, Logistik, Nahrungsmittel- und Hilfslieferungen abzuschneiden. Ziel ist wahrscheinlich eine Dauerbelagerung und großflächige Bombardements, um schließlich den Widerstand der Ukrainer zu brechen. Eine barbarische Kriegsführung, die die russischen Truppen bereits im Syrien-Krieg vier Jahre lang in Aleppo anwendeten.

Putins Krieg in der Ukraine: Mariupol als Schockvorlage für Kiew?

Welche düstere Zukunft Kiew bevorsteht, zeigt die seit zehn Tagen eingekesselte südukrainische Hafenstadt Mariupol. Noch immer harren dort 300.000 Zivilisten aus, über 1200 Menschen sollen ums Leben gekommen sein. Die dramatische Lage in der Stadt beschreibt der ukrainische Botschafter in Deutschland als „Hölle auf Erden“.

In der Industriestadt Dnipro bombardierte Russland zivile Ziele. AFP/State Emergency Service of Ukraine

Die Bewohner hätten aus Verzweiflung Geschäfte und Apotheken geplündert, sagte Sascha Wolkow vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz in Mariupol in einer Audiobotschaft. Wolkow: „Die Leute haben angefangen, sich um Essen zu schlagen. Andere haben das Auto eines anderen zerstört, um Benzin abzuzapfen“. Mariupol ist bereits seit zehn Tagen vollständig umzingelt und von der Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wasser, Medikamenten, Strom und Gas abgeschnitten.

Auch gestern weitete Russland die Offensive aus, griff erstmals auch die Industriestadt Dnipro an. Bei nächtlichen Luftangriffen wurden auch die Städte Tschernihiw im Norden, Sumy im Nordosten und Charkiw im Osten getroffen. In der Nähe von Charkiw wurde eine Behinderteneinrichtung getroffen.

AFP/Emre Caylak
Im umkämpften Charkiw harren noch immer etliche Einwohner in U-Bahn-Stationen aus.