Der 14-jährige Jeff bekommt in Kalifornien den Corona-Piks. In den USA werden Jugendliche unter 16 Jahren bereits geimpft. dpa/Damian Dovarganes

Wann und wie sollen Kinder und Jugendliche gegen Corona geimpft werden? Das wollen Kanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs heute beim nächsten Impfgipfel klären.

Die Frage ist heikel, denn bisher geben die Experten der Ständigen Impfkommission (Stiko) keine Empfehlung ab. Und nähren damit Ängste und Zweifel bei Eltern. Die überlegen es sich zweimal, ob sie ihren Sprösslingen das Impf-Serum geben.

Kritik an Haltung der Ständigen Impfkommission

Möglicherweise mit Folgen für die ganze Gesellschaft. Denn falls nicht, wird das Virus sich weiter unter Kindern und Jugendlichen ausbreiten und mutieren. Auch bleibt die Frage, wie und ob genug Impfstoff vorhanden ist, um alle Kinder durchzuimpfen.

„Dass die Ständige Impfkommission nun plötzlich den Sinn einer flächendeckenden Impfung von Schülerinnen und Schülern grundsätzlich infrage stellt, irritiert mich und auch viele andere Menschen“, kritisierte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) die Stiko.

Stiko-Chef: Impf-Empfehlung erst nach gründlicher Prüfung

Doch der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens lässt sich dadurch nicht beirren und bekräftigte vor Beginn des Bund-Länder-Treffens seine Zurückhaltung bei einer generellen Empfehlung für Corona-Schutzimpfungen bei Kindern nochmals. „Gerade wenn es jetzt um die generelle Impfung von Kindern geht, dann müssen wir doch wirklich sehr sicher sein, dass das, was wir tun, auch wirklich zum besten Wohl der Kinder geschieht“, sagte Mertens bei Phoenix.

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Insofern stehe er dazu, „die Dinge erst sehr gründlich zu prüfen und dann anschließend eine Empfehlung abzugeben“. Mit Blick auf die Sorge vor Long-Covid-Erkrankungen sagte er, die bisherige Analyse habe ergeben, „dass es Long-Covid bei den Kindern eigentlich nicht gibt“. Insgesamt gebe es nur „sehr wenig schwere Verläufe“.

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Kinder, die an Covid erkrankt oder verstorben seien, „waren praktisch alles Kinder, die schwerste Vorerkrankungen hatten“. Mertens sprach sich vor diesem Hintergrund nur für eine Corona-Schutzimpfung vorerkrankter Kinder und Jugendlicher aus.

Die Bundesregierung will für die Corona-Impfung von Kindern und Jugendlichen knapp 6,4 Millionen Dosen des Herstellers Biontech bis August bereitstellen. Dies geht aus einem Dokument des Gesundheitsministeriums für den Impfgipfel von Bund und Ländern hervor.

Der Altersgruppe von zwölf bis 18 Jahren – insgesamt 5,3 Millionen Menschen – soll demnach bis Ende August mindestens eine Erstimpfung ermöglicht werden. Der Bund wolle den Ländern die erforderlichen Impfdosen „schrittweise aus den Gesamtliefermengen für Juni, Juli und August zusätzlich zur Verfügung stellen“, heißt es in einer der Vorlagen.

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Das Ministerium macht den Start der Impfungen für Kinder und Jugendliche von einer Zulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA abhängig. Die EMA will am Freitag mitteilen, ob sie den Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer für Jugendliche zwischen zwölf und 15 Jahren zulässt. Er ist bereits ab 16 Jahren zugelassen.

„In dem Moment, wo der Impfstoff zugelassen ist für über Zwölfjährige, kann er ab dem nächsten Tag in Arztpraxen verimpft werden“, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor dem Gipfel. Zu klären ist auch die Organisation von Impfungen für Jugendliche, zum Beispiel über Schulen oder Arztpraxen.

Idealerweise würden zuerst Minderjährige mit Vorerkrankungen geimpft, so Spahn weiter und versprach: „Wir werden definitiv keine verpflichtenden Impfungen haben, auch nicht an Schulen oder Kindergärten.“

Die Länder wollen nun rasch Klarheit haben, wann Kinder und Jugendliche in die Impfkampagne einscheren. Wenn man in das nächste Schuljahr mit zweifach geimpften Kindern starten wolle, dann müsse man bald mit den Impfungen anfangen, so Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) im ARD-„Morgenmagazin“.