Die Hamburger Infektiologin Marylyn Addon und der Pharmaunternehmens-Besitzer Dietmar Hopp dpa/Montage BK

Berlin -Der verantwortungsvolle Teil Deutschlands hat seine soziale Aktivitäten längst zurückgefahren, um eine Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 zu verlangsamen. Einen anderen Weg, die Krise zu meistern, gibt es derzeit nicht, denn ein Impfstoff muss erst noch entwickelt werden. Doch ab wann der einsatzfähig ist, ist unklar. Während SAP-Gründer Dietmar Hopp, der auch Miteigentümer des Pharmaunternehmens CureVac ist, Hoffnungen schürt, dass ein Impfstoff bereits im Herbst verfügbar ist, widersprechen ihm Experten aus der Wissenschaft.

Der „Bild“ sagte der durch seine Eigenschaft als Mäzen beim Fußballbundesligisten TSG Hoffenheim viel kritisierte Hopp: „Bei positivem Verlauf könnten wir ungefähr im Frühsommer mit klinischen Tests beginnen. Wir wären also in der Lage, den Impfstoff im Herbst zu liefern.“ Doch damit scheint der Unternehmer, der zuletzt viel Anerkennung dafür bekam, dass er die Forschungsergebnisse seiner Firma nicht exklusiv den USA zu Verfügung stellen wollte, falsche Hoffnungen zu schüren. Viele Wissenschaftler sehen einen Termin im Herbst als unrealistisch an. 

Eine von ihnen ist die Hamburger Infektiologin Marylyn Addo, die an der Entwicklung eines Ebola-Impstoffes beteiligt war. Im „Deutschlandfunk“ machte sie deutlich: „Wir werden keine Abkürzungen nehmen.“ Sie rechnet mit einer Einsatzfähigkeit eines Impfstoffes frühestens 2021. Flächendeckend soll der sogar erst Ende 2021 verfügbar sein. Für die aktuelle Virus-Welle käme er damit auf jeden Fall zu spät. Man dürfe keine wichtigen Schritte in der Entwicklung überspringen, sagte Addo – besonders weil Impfstoffe gesunden Menschen verabreicht werden. „Da wollen wir natürlich keinen Schaden anrichten und deswegen werden die Substanzen ganz genau überprüft.“ Eine Zeitersparnis sei nur bei regulatorischen Dingen realistisch. 

Erster Corona-Impfstoff an Menschen getestet

Im US-amerikanischen Seattle hingegen wurden bereits erste Impfstoffe an Menschen getestet, ohne ihn jedoch – wie es eigentlich üblich ist – zuvor an Mäusen zu testen. 45 Freiwillige haben sich für die Studie gemeldet. Aus der Wissenschaft gibt es dafür Kritik. Und doch werden die Tests mit Spannung beobachtet. Sie könnten die Grundlage für weitere Forschungen sein, um – und da sind sich alle Fachleute einig – im nächsten Jahr einen Impfstoff haben zu können.