Norma Lewis hält eine Rose in der Hand, während sie sich mit ihren Mitstreiterinnen als menschliches Schutzschild gegen die Polizisten stellt. Foto: Noah Berger/AP

Eine dichte Wolke aus Tränengas schlägt den Frauen in gelben Hemden entgegen. Sie skandieren „Erschieß deine Mutter nicht“, als sie sich in der US-Stadt Portland in einer weiteren Nacht ununterbrochener Proteste Bundesagenten entgegen stellen.

Als das Gas die Gruppe umhüllt, beginnen einige zu husten. Eine Mutter reibt sich die Augen und stöhnt. Trotzdem bleibt sie. So wie hunderte weitere Mütter, die sich zum Protest versammelt haben, sich gegenseitig unterhakten und nun als menschliches Schutzschild vor den Demonstranten stehen.

Die Mütter wollen die Gewalt der "Feds", der Bundespolizisten der Trump-Regierung, nicht dulden und unterstützen die Proteste der Schwarzen. Foto: Marcio Jose Sanchez/AP/dpa

Seit 50 Tagen wüten die Straßenkämpfe im Epizentrum der „Black Lives Matter“-Proteste im US-Staat Oregon. Das Mütter-Kollektiv gründete sich in Portland, als der umstrittene Einsatz von Bundespolizisten der Trump-Regierung die Wut und Gewalt auf der Straße noch weiter angeheizt hatte. Die mutigen Frauen nennen sich „Wall of Moms“, die „Müttermauer“. Sie stehen in erster Reihe vor den Bundesbeamten in Kampfmontur, um Protestierende zu schützen - und deren Demonstrationsrecht. Mit Erfolg. Die Idee verbreitet sich jetzt in Städten im ganzen Land, von St. Louis bis New York, von Chicago bis Philadelphia bildeten sich schon mehr als 20 „Wall of Moms“-Verbände.

Bürgermeister, Kongressmitglieder und Staatsbeamte hatten Washington zwar unmissverständlich klar gemacht, dass sie keine Bundestruppen in ihren Städten wollen. Bei US-Präsident Donald Trump stießen sie jedoch auf taube Ohren. Im Gegenteil verteidigte er die Gewaltanwendung gegen „radikale Mobs“ in Portland, wo es regelmäßig zu schweren Ausschreitungen kam, Polizisten Demonstranten zur Befragung regelrecht kidnappten und in nicht gekennzeichneten Autos wegbrachten. Eine Klage des Staates Oregon dagegen schmetterte ein Bezirksgericht ab. Auch in anderen US-Städten sollen die Bundes-Cops jetzt für „Recht und Ordnung“ sorgen.

Mütter halten aus Pappe geschnittene Peace-Zeichen in die Höhe. Sie fordern ein Ende der Gewalt auf den Straßen von Portland. Foto: Noah Berger/AP/dpa

Dagegen ziehen nun die Mütter zu Felde. Für viele von ihnen war es ein Schlüssel-Erlebnis, als der Schwarze George Floyd, der im Mai in Minneapolis in Polizeigewahrsam starb, mit seinen letzten Atemzügen nach seiner Mutter schrie. „Das hat in uns allen etwas ausgelöst“, sagt „Wall of Moms“-Organisatorin Jennie Vinson (43) der „Washington Post“. „Wenn Sie eine Mutter sind, haben Sie diesen Urinstinkt, Kinder zu schützen. Nicht nur die eigenen, sondern alle Kinder.“

In Kampfmontur ziehen die Bundespolizisten durch die Straßen von Portland, gehen brutal gegen Demonstranten vor.  Foto: Mason Trinca/Getty Images/AFP

Doch die mutigen Mütter kennen auch die Risiken, schwer bewaffneten Polizisten zu trotzen. Auch sie werden von Polizisten attackiert und bei Krawallen verletzt. „Es war ein innerer Kampf zwischen der Angst und dem Wunsch, das Richtige zu tun“, sagt Angie Noriega (43), Mutter zweier dunkelhäutiger Kinder in „Washington Post“. „Ich will ein Vorbild für meine Kinder sein. Aber ich hoffe auch jedesmal, heil zu ihnen heimzukommen.“

Was bleibt, ist weiterhin Demonstranten vor Polizeitruppen zu schützen, die eigentlich die Bürger beschützen und Terror von außen abwehren sollten. Nun bringen sie selbst Terror, finden die Mütter der „Wall of Moms“. Und ihre Forderung an Trumps Truppen ist klar: „Lasst endlich unsere Kinder in Ruhe!“