Frauen und Kinder harren am Bahnhof von Przemysl in Polen aus. AP/Markus Schreiber

Seit Beginn der russischen Invasion in die Ukraine sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR bereits eine Million Menschen geflohen. „Ich arbeite seit 40 Jahren in Flüchtlingsnotsituationen, aber einen so schnellen Exodus wie diesen habe ich selten gesehen“, teilte der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, am Donnerstag mit.

Eine Million Menschen auf der Flucht

„Wenn dieser Konflikt nicht sofort beendet wird, werden Millionen weitere Menschen gezwungen sein, aus der Ukraine zu fliehen. Frieden ist der einzige Weg, um diese Tragödie zu beenden.“

Die Mehrheit der Flüchtenden sind Frauen und Kinder. Wer nicht flüchten kann, sind Waisenkinder. Ihre Lage ist äußerst dramatisch. Nach der Evakuierung eines Waisenhauses im südukrainischen Odessa sind rund 120 Kinder – darunter ein sechs Tage altes Baby – auf der Flucht nach Berlin.

Die Waisen hätten sich zusammen mit einem Dutzend Betreuern in fünf Bussen auf den Weg gemacht, sagte der Chefrabbiner von Odessa und der Südukraine, Abraham Wolff, am Mittwochabend der Deutschen Presse-Agentur. Das Waisenhaus gehört der jüdischen Gemeinde Mishpacha Chabad. In Odessa wird ein Angriff der russischen Armee befürchtet.

Waisenkinder in Bussen unterwegs nach Berlin

Die Busse mit den Kindern seien am Mittwoch in Chisinau, der Hauptstadt der Republik Moldau, angekommen. Die Reise solle ohne größere Pausen zügig durch Rumänien Richtung Westen fortgesetzt werden, sagte der mitreisende Rabbinersohn Mendi Wolff der dpa. Spätestens Freitagmittag wolle man in Berlin ankommen, wo die Geflüchteten Unterstützung von der jüdischen Gemeinde hätten. „Vor 70 Jahren ist mein Großvater vor den Nazis aus Deutschland geflohen – jetzt tritt mein Sohn die Reise in umgekehrter Richtung an“, sagte Abraham Wolff.