Symbol des Rüstungswahnsinns: Ukrainische Polizisten betrachten die Reste russischer Raketen, die in Charkiw eingesammelt wurden.
Symbol des Rüstungswahnsinns: Ukrainische Polizisten betrachten die Reste russischer Raketen, die in Charkiw eingesammelt wurden. AP/Libkos

Die 100 größten Rüstungskonzerne der Erde haben binnen eines Jahres schwere Waffen und Militärdienstleistungen im Wert von fast 600 Milliarden Dollar verkauft. Und das 2021, vor dem russischen Überfall auf die Ukraine, und trotz Störungen der Lieferketten wegen Corona. Währungseffekte herausgerechnet, stiegen die weltweiten Rüstungsverkäufe 2021 um 1,9 Prozent auf 592 Milliarden Dollar, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri am Montag meldete.

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„Wir hätten für 2021 ohne die Lieferkettenprobleme ein noch größeres Wachstum der Waffenverkäufe erwartet“, bilanzierte die Sipri-Expertin Lucie Béraud-Sudreau.  Die weltweiten Rüstungsverkäufe nähmen seit mindestens 2015 kontinuierlich zu. Zwischen 2015 und 2021 sind die Verkaufszahlen der 100 größten Rüstungskonzerne um fast 20 Prozent angestiegen. 

Deutschland liegt bei Waffenverkäufen weit hinten

Gegen den Trend erlebten die US-Konzerne 2021 einen leichten Rückgang um 0,9 Prozent auf 299 Milliarden Dollar. Die 40 gelisteten US-Unternehmen – darunter die Top fünf – kommen nun insgesamt auf einen Anteil von 51 Prozent aller Verkäufe. Auf Platz zwei folgt China mit 18 Prozent vor Großbritannien (6,8 Prozent) und Frankreich (4,9 Prozent). Deutschland kommt auf 1,6 Prozent.

Mit einem minimalen Zuwachs um 0,4 Prozent lag Russland vor seinem Einmarsch in die Ukraine bei einem Anteil von 3 Prozent. Während Berichte darauf hindeuteten, dass russische Rüstungskonzerne die Waffenproduktion aufgrund des Ukraine-Krieges hochfahren, hätten sie Schwierigkeiten dabei gehabt, an Halbleiter zu kommen. 

Wie sich der Ukraine-Krieg  auf die  Zahlen auswirken wird, dürfte sich erst 2023 zeigen. Doch bereits jetzt schrieben die Friedensforscher: „Russlands Invasion in die Ukraine im Februar 2022 hat die Lieferkettenherausforderungen für Rüstungsunternehmen erhöht, nicht zuletzt, weil Russland ein Großlieferant von Rohmaterial für die Waffenproduktion ist.“  

Russische Rohstoffe könnten bei Munitionsproduktion fehlen

Dies könne nach den Lieferungen an die Ukraine die Bemühungen in den USA und in Europa erschweren, beispielsweise die Munitionsdepots aufzufüllen.  

Laut Sipri sinken in Europa die Umsätze bei der militärischen Luftfahrt, steigen aber beim Schiffsbau, wo ein einzelnes Schiff schon Hunderte von Millionen kostet. Europas Rüstungsverkäufe nahmen so um 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 123 Milliarden Dollar zu, die der deutschen Konzerne Rheinmetall, ThyssenKrupp, Hensoldt und Diehl um 5,6 Prozent auf 9,3 Milliarden Dollar.