Ukrainer feiern in Kiew vor zerstörten russischen Panzern den Unabhängigkeitstag. Massenkundgebungen sind aus Sicherheitsgründen verboten.
Ukrainer feiern in Kiew vor zerstörten russischen Panzern den Unabhängigkeitstag. Massenkundgebungen sind aus Sicherheitsgründen verboten. dpa/Sergei Chuzavkov

Vor 31 Jahren erklärte die Ukraine ihre Unabhängigkeit, doch nie war ihr Überleben so gefährdet wie jetzt: Im Schatten des seit einem halben Jahr andauernden russischen Angriffskriegs begeht die Ukraine am Mittwoch ihren Nationalfeiertag. Der Unabhängigkeitstag sei ein wichtiges Datum für die Ukrainer und Ukrainerinnen – „und damit leider auch für unseren Feind“, warnte Präsident Wolodymyr Selenskyj vor verstärkten Angriffen der Kreml-Truppen auf große Städte. Es gelten strenge Ausgangssperren, Selenskyj rief die Bevölkerung auf, sich daran zu halten und bei Luftalarm in Sicherheit zu bringen.

Deutschland liefert Waffen für 500 Millionen Euro

Auch Kanzler Olaf Scholz (SPD) gratulierte der Ukraine zu ihrem Unabhängigkeitstag und drückte sein Mitgefühl für die Opfer des Krieges aus. „Eigentlich sollte dies ein Tag fröhlicher Konzerte, Picknicks und Paraden sein“, sagt Scholz in einer Video-Ansprache. „Doch der dunkle Schatten des brutalen russischen Angriffskriegs lastet schwer – auch auf diesem 24. August, genau sechs Monate nach Kriegsbeginn.“ Scholz versichert, die Ukraine weiterhin zu unterstützen. „Wir werden weiter Waffen liefern, von der Panzerhaubitze bis zum Flugabwehrsystem, Monat für Monat.“ Zudem werde Deutschland sich am Wiederaufbau des Landes beteiligen.

Schon zuvor hatte der Kanzler bei einer Konferenz zur Lage auf der Krim umfangreiche Waffenlieferungen in Höhe von über 500 Millionen Euro angekündigt, darunter hochmoderne Flugabwehrsysteme, Raketenwerfer, Munition und Anti-Drohnen-Geräte. Das Problem: Teilweise sind die zugesagten Waffen erst im nächsten Jahr lieferbar oder noch gar nicht produktionsreif!

Wann ist Vulcano-Munition überhaupt lieferbar?

Beispiel: die Artilleriegeschosse vom Typ Vulcano. 255 davon mit Kaliber 155 Millimeter soll Kiew erhalten. Eingesetzt werden sollen die hochmodernen Vulcano-Präzisionsgeschosse in der Panzerhaubitze 2000. Die Vulcano-Munition besitzt laut Herstellerangaben eine Reichweite von bis zu 70 Kilometern.

Damit könnten die deutschen Panzerhaubitzen ihre bisherige Reichweite verdoppeln und ähnlich der Himars-Systeme aus den USA Ziele weit hinter den russischen Linien treffen. Mit Hilfe der Himars-Mehrfachraketenwerfer zerstört die ukrainische Armee bereits seit Wochen russische Munitionsdepots und Kommandostellen.

Doch noch nicht einmal die Bundeswehr verfügt bisher über die Vulcano-Geschosse, sie sind nämlich erst in der Testphase. Ein Lieferdatum steht noch nicht fest und damit ist die Hilfe aus Deutschland für die Ukraine eher zweifelhaft. Denn dort zählt jede Stunde.