Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung KBV

Wenn die Pandemie einmal hinter uns liegen wird, werde ich einen Namen ganz sicher im Gedächtnis behalten: Andreas Gassen. Er ist der Mann, der stets dagegen gewesen ist.

Gegen die Maskenpflicht: Denn Masken wögen Bürger in falscher Sicherheit, behauptete der Kassenärzte-Chef vor einem Jahr. Auch in Innenräumen könnten wir die Pflicht bald aufheben, signalisierte Andreas Gassen erst kürzlich, zu einem Zeitpunkt, wo erst jeder Dritte vollständig geimpft ist.

Vorsichtsmaßnahmen gegen die Delta-Variante sind laut Gassen reine „Panikmache“.

Im Spätherbst formulierte der Mediziner die nächste steile Meinung: Skeptisch sei er, ob der Lockdown, der ja ohnehin viel zu spät in Kraft trat, die Infektionszahlen signifikant senken werde. Vielmehr sollte man Risikogruppen besser schützen. Jeder dritte Deutsche, wir erinnern uns, gehört einer Corona-Risikogruppe an. Ältere, Übergewichtige, Menschen mit Vorerkrankungen: sie alle hätte man nach Meinung von KV-Chef Gassen isolieren müssen, damit wir auch im Winter hätten feiern können. Und nun formuliert der Düsseldorfer Orthopäde den nächsten schrillen Karnevalsscherz zur Unzeit: Vorsichtsmaßnahmen gegen die Delta-Variante sind laut Gassen reine „Panikmache“.

Wir sprechen von der Mutation, die die Todeszahlen in Russland in die Höhe getrieben hat, wo die Impfquoten kläglich sind. Die Variante, die schwere Verläufe bei jungen Menschen in Großbritannien vorangetrieben hat, die genauso wenig geimpft wurden wie junge Menschen bei uns. Hysterisch findet Andreas Gassen eine Debatte, in der es immerhin um Menschleben und um die Gesundheit von Millionen geht. Sind Ärzte nicht dafür da, alles dafür zu tun, die „Kranken, nach bestem Vermögen und Urteil…bewahren vor Schaden und willkürlichem Unrecht“? So steht es im Hippokratischen Eid, nicht rechtlich einklagbar, aber dennoch verbindliche Leitlinie jedes ärztlichen Handelns.