Mit dem Thermostat haben es Kunden von Gas und Fernwärme in der  Hand, wie hoch ihre Rechnungen werden.
Mit dem Thermostat haben es Kunden von Gas und Fernwärme in der Hand, wie hoch ihre Rechnungen werden. dpa/Jens Büttner

Endlich soll es spürbare Entlastung geben.

Angesichts der stark gestiegenen Gas-Preise wegen des russischen Lieferausfalls sollen Kunden von Gas und Fernwärme im Dezember keine Abschlagszahlung leisten müssen. Ihre Versorger sollen das Geld stattdessen direkt vom Bund bekommen. Von Anfang März 2023 an bis mindestens Ende April 2024 soll dann eine Gas- und Wärmepreisbremse greifen. Das schlug eine „Unabhängige Kommission Gas und Wärme“ der Bundesregierung vor. Die Bremse könnte den Preis um rund ein Drittel senken.

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Der als Einmalzahlung für Gas- und Fernwärmekunden deklarierte Verzicht auf den Abschlag soll auf der Basis des Verbrauchs ermittelt werden, der der Abschlagszahlung im September zugrunde lag. „Diese Einmalzahlung dient als finanzielle Brücke bis zur regulären Einführung der Gaspreisbremse“, heißt es in dem Papier der Experten, das am Montag veröffentlicht wurde.

Die Abschläge zur Stromerzeugung übernimmt der Staat nicht.

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80 Prozent des Gasverbrauchs sollen subventioniert werden

Die eigentliche Gaspreisbremse, die technisch nicht schneller zu bewerkstelligen sei, sieht von März 2023 an für eine Grundmenge an Gas einen staatlich garantierten Bruttopreis von 12 Cent pro Kilowattstunde vor. Dieses Grundkontingent soll bei 80 Prozent des Verbrauchs liegen.

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Das Papier haben sie, jetzt müssen sie ihre Schlüsse daraus ziehen: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD)), Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne)  und Finanzminister Christian Lindner (FDP) mit den Empfehlungen der Gaspreis-Kommission.
Das Papier haben sie, jetzt müssen sie ihre Schlüsse daraus ziehen: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD)), Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Finanzminister Christian Lindner (FDP) mit den Empfehlungen der Gaspreis-Kommission. dpa/Kay Nietfeld

„Das heißt, man bekommt quasi jeden Monat einen staatlichen Zuschuss auf die Abschlagszahlung“, erklärte die Ökonomin Veronika Grimm aus dem Beratergremium der Wirtschaftsweisen. Oberhalb dieses Kontingents, also 20 Prozent des Verbrauchs, sollen Marktpreise gelten.. Sparen lohnt sich also weiterhin.  

Gaspreis könnte um ein Drittel sinken, errechnete  ein Vergleichsportal

Gas kostet laut Vergleichsportal Verivox im Oktober durchschnittlich 20,53 Cent pro Kilowattstunde. Die vorgeschlagene Gaspreisbremse würde nach Berechnungen des Portals die Preise um rund ein Drittel senken.

Für Fernwärmekunden soll eine Wärmepreisbremse kommen. Analog zum Gaspreis soll es hier einen garantierten Bruttopreis von 9,5 Cent pro Kilowattstunde Fernwärme geben, wiederum für ein Grundkontingent von 80 Prozent des Verbrauchs.

Grimm erläuterte, dass der Verbrauch aber nicht pro Haushalt geschätzt werden könne, sondern pro Anschluss: Dieser könne ein ganzes Mietshaus versorgen oder ein einzelnes Privathaus. Die Wirtschaftswissenschaftlerin geht davon aus, dass die Gaspreise auch in der Zukunft nicht mehr auf die ursprünglichen sieben Cent pro Kilowattstunde zurückfallen werden.

Für bis zu 25.000 große industrielle Gasverbraucher soll ein Verbrauch von 70 Prozent des Jahres 2021 mit Staatsgeld subventioniert werden. Für dieses Kontingent soll ein Beschaffungspreis von 7 Cent pro Kilowattstunde gelten. Darüber sind Marktpreise fällig. „Dadurch wird ein starker Sparanreiz gesetzt“, schrieben die Experten in ihrem Papier. Diese Regelung soll vom 1. Januar 2023 bis zum 30. April 2024 gelten.  

Für 80 Prozent des Verbrauchs soll ein Gaspreis von 12 Cent pro Kilowattstunde garantiert werden.
Für 80 Prozent des Verbrauchs soll ein Gaspreis von 12 Cent pro Kilowattstunde garantiert werden. IMAGO/Michael Schöne

Gesamtkosten der Gaspreis-Bremse sollen bei 90 Milliarden Euro liegen

Der Vorsitzende der Gewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis, sagte, das Gesamtpaket zur Gaspreisbremse werde 90 Milliarden Euro kosten. 5 Milliarden Euro seien allein für den Abschlag im Dezember veranschlagt. Die Bremse ab 2023 solle 60 Milliarden Euro für die Industrie und 25 Milliarden Euro für die Entlastung privater Haushalte kosten.

Die „Unabhängige Kommission Erdgas und Wärme“ hat ihre Empfehlungen in der Nacht zum Montag nach einer rund 35-stündigen Klausur einstimmig verabschiedet. Das Gremium ist Teil eines von der Ampel-Koalition beschlossenen Abwehrschirms, für den bis zu 200 Milliarden Euro bereitgestellt werden sollen.

Die Vertreter von Wissenschaft, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden sollen am 17. und 24. Oktober erneut zusammenkommen, um über mögliche europäische Maßnahmen gegen die hohen Preise zu beraten.  Die endgültigen Arbeitsergebnisse sollen bis Ende des Monats vorliegen und der Bund muss entscheiden, was er mit den Feststellungen anfängt.