Aluminium wird zur Herstellung etlicher Produkte gebraucht, Russland ist drittgrößter Exporteur. AFP/Thomas Kienzle

Wie kommt Deutschland raus aus der Abhängigkeit von russischem Erdgas und Öl – darüber wird seit Wochen gestritten. Dabei ist Deutschland jedoch nicht nur bei Energielieferungen abhängig von Russland.

Denn mit dem russischen Angriff auf die Ukraine kommt der gesamte Rohstoffmarkt ins Straucheln. So seien Deutschland und der Weltmarkt vor allem bei Nickel, Palladium und Chrom abhängig von russischen Exporten, warnt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in einer neuen Studie. Diese Rohstoffe seien zum Teil schwierig zu ersetzen. Die Folgen für Preise sind enorm – und damit für die Verbraucher.

Nickel aus Russland für Bau von E-Autos unerlässlich

Denn konkrete Folgen hätten die Kämpfe etwa für die Autobauer, da die Ukraine ein wichtiger Zulieferer gewesen sei. Nickel aus Russland ist wichtig für die Veredelung von Stahl, aber auch für den Bau von E-Autos. Der Preis hatte sich in den letzten Wochen bereits verdreifacht. Und Russland ist dabei einer der weltweit wichtigsten Anbieter: Im Jahr 2019 bezog Deutschland laut IW-Zahlen 40 Prozent aller Nickelimporte aus Russland.

Lesen Sie auch: Zugverkehr in den Niederlanden komplett zusammengebrochen – und DAS sind die Folgen für Deutschland >>

25 Prozent der Palladium-Importe aus Russland

Beim Palladium kommen 25,3 Prozent aller deutschen Importe aus Russland. Ohne das Edelmetall könnten einige Komponenten in Autokatalysatoren nicht gebaut werden. Palladium wird aber auch in der chemischen Industrie und in der Elektrotechnik gebraucht.

Preise für Computer, Baumaterialien und Autos steigen stark an

„In den kommenden Monaten werden viele wichtige Elemente unseres täglichen Lebens tendenziell teurer – von Brot und Kaffee über Computer und Autos bis hin zu Baumaterialien, Häusern und der Art und Weise, wie wir unsere Haushalte mit Strom versorgen“, sagte der Chef des luxemburgischen Rohstoffkonzerns Eurasian Resources Group (ERG), Benedikt Sobotka.

Russland ist drittgrößter Exporteur von Aluminium

Für den Weltmarkt kommt Russland zum Beispiel als drittwichtigster Exporteur von Aluminium eine wesentliche Rolle zu. Das Leichtmetall ist bei einer ganzen Palette von Produkten unerlässlich – von Fenstern und Türen über Konservendosen bis zur TV-Antenne und Elektrotechnik. Bei Chrom (etwa für hitzebeständige Legierungen) kommen die russischen Importe auf über 20 Prozent aller deutschen Einfuhren, bei Kadmium auf fast 14 Prozent.

Russland ist also ein Rohstoff-Gigant, der über weit mehr Daumenschrauben verfügt als Erdgas und Öl. Daher sei es wichtig, dass Freihandelsabkommen wie TTIP und Ceta mit anderen rohstoffreichen und möglichst stabilen Demokratien wie den USA, Kanada und Südafrika weiter vorangetrieben und ausdefiniert werden, empfiehlt das Institut der deutschen Wirtschaft in seiner Studie.

Zu prüfen ist auch, welche nationalen und europaweiten Kapazitäten für einen Abbau und die Weiterverarbeitung essenzieller Rohstoffe möglich sind. Die dritte Möglichkeit umfasst das Recycling als Quelle von Sekundärrohstoffen und unterstreicht die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft in Deutschland und Europa.