Ein Schild weist den Weg zu einer Arztpraxis. Immer wahrscheinlicher wird, dass Sie dort von einer Ärztin, nicht von einem Arzt, betreut werden.
Ein Schild weist den Weg zu einer Arztpraxis. Immer wahrscheinlicher wird, dass Sie dort von einer Ärztin, nicht von einem Arzt, betreut werden. dpa/Soeren Stache

Hat Sie beim letzten Apothekenbesuch ein Apotheker bedient? Dann haben Sie einen der wenigen männlichen in diesem Bereich Beschäftigten angetroffen. Tatsächlich sind neun von zehn in Apotheken tätigen Arbeitnehmerinnen und Selbständigen Frauen. Auch beim Arztbesuch wird die Wahrscheinlichkeit immer größer, dass Sie von einer Ärztin geheilt werden. Zwei von drei derjenigen, die im Studienfach Medizin eingeschrieben sind, sind angehende Medizinerinnen.

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Lange durften Frauen nicht Medizin studieren, jetzt dominieren sie den Ärzteberuf

Das dies in einem traditionell so männlich dominierten Beruf überhaupt möglich ist, ist eine wunderbare Entwicklung: Erst seit 1899 sind Frauen zum Medizinstudium zugelassen, 1919 wurde Adele Hartmann Deutschlands erste Medizin-Dozentin an einer deutschen Uni. Selbst Ende der 60er war meine Mutter als Gynäkologin und Allgemeinmedizinerin in Westdeutschland noch eine Ausnahmeerscheinung, musste härter und kompetenter sein, um sich in dem Beruf zu behaupten. Dennoch hätte ihr Ehemann bis 1977 noch gesetzlich untersagen können, dass sie Beruf überhaupt ausübt – da jedenfalls war der Osten dem Westen zum Glück weit voraus.

Die Zeiten, in denen Männer Frauen von Beruf und Karriere fernhalten konnten, liegen zum Glück hinter uns – und dennoch ruft die Arzneimittelwerbung den Geist von vorgestern auf, formuliert bis heute: „Fragen Sie Ihren Arzt und Apotheker“. Abschaffen will das nun selbst die Bundesärztekammer, in deren Namen Ärztinnen ja auch nur mitgemeint sind. Genderneutrale Formulierungen werden nun auch in der Arzneimittelwerbung einziehen – und den Gender-Streit um Apotheker:innen oder Ärzt*innen befeuern – stattdessen sollten wir den gesellschaftlicher Wandel feiern, von dem wir alle profitieren, beispielsweise als Patientinnen oder Patienten. Gerade in Zeiten von RS, Grippeviren und Corona: Wir stünden wir jetzt eigentlich da, ohne all die Apothekerinnen und Ärztinnen?