Muss weiter dienen: Ein Schützenpanzer Marder. Das erste Serienmodell war 1971 ausgeliefert worden, die Panzer wurden mehrmals modernisiert.
Muss weiter dienen: Ein Schützenpanzer Marder. Das erste Serienmodell war 1971 ausgeliefert worden, die Panzer wurden mehrmals modernisiert. dpa/Philipp Schulze

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) hat den Kauf weiterer Puma-Schützenpanzer für die Bundeswehr vorerst ausgesetzt. „Bevor sich das Fahrzeug nicht als stabil erweist, wird es kein 2. Los geben. Die Kritik aus dem Parlament ist vollkommen berechtigt“, teilte Lambrecht am Montag in Berlin mit.

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Lambrecht: „Unsere Truppe muss sich darauf verlassen können, dass Waffensysteme auch im Gefecht robust und standfest sind.“ Das gleiche gelte für die NATO und die deutsche Verpflichtung, sich mit Beginn am 1. Januar an deren schneller Eingreiftruppe VJTF zu beteiligen.  Es sei klug gewesen, schon in der Planung für die „Very High Readiness Joint Task Force“ den mittlerweile uralten Schützenpanzer Marder zu berücksichtigen.

Lambrecht: „Die neuerlichen Ausfälle des Schützenpanzers Puma sind ein herber Rückschlag.“ Bei einer Schießübung waren binnen weniger Tage alle 18 beteiligten Pumas ausgefallen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums:  „Wir waren nach den vorangegangenen Übungen noch recht zuversichtlich, weil der Puma sich gut geschlagen hatte. Und nun kommt dieser ungewöhnlich hohe Ausfall.“ 

Verschiedene Schäden setzten 18 Pumas außer Gefecht

Dabei soll es ein uneinheitliches Schadensbild gegeben haben, von abgenutzten Zahnkränzen bis hin zu Problemen mit der Elektronik.

Am Vormittag habe Lambrecht sich von Generalinspekteur Eberhard Zorn, Rüstungsstaatssekretär Benedikt Zimmer und weiteren Offizieren informieren lassen, sagte der Sprecher. Es werde noch am Montag weitere Gespräche mit der Industrie geben, die den Pannenpanzer baut, Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Rheinmetall Landsysteme GmbH (RLS).

Generalinspekteur verspricht „gemeinsame Kraftanstrengung“  

Zorn hatte bereits am Sonntag eine gemeinsame Kraftanstrengung von Militär, dem Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw und Spezialisten der Rüstungsindustrie angekündigt, um die Probleme zu lösen. Der General beteuerte: „Die Verpflichtung gegenüber der Nato werden wir ab dem 1. Januar erfüllen.“

Der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, forderte die Bundesregierung wegen der fortgesetzten Pannen auf, Regressansprüche gegen die Hersteller zu prüfen. „Schrott für sechs Milliarden Euro ist peinlich für Deutschland. Der Schützenpanzer Puma war von Anfang an ein Fehlkonstrukt, ein Milliardengrab für die Steuerzahler. Schon 2017 waren von 71 fabrikneuen Puma nur 27 einsatzbereit. Dennoch haben sich die Kosten in der Folge verdoppelt.“

Bundeswehr hat 350 Puma-Schützenpanzer beschafft

Die Bundeswehr hat rund 350 Pumas beschafft und den Panzer im März 2021 nach umfangreichen Tests als gefechtstauglich eingestuft. 42 sollten in einer speziellen Ausführung für die VJTF bereitgestellt werden.

Der Aufbau der schnellen Eingreiftruppe geht  auf Beschlüsse beim Nato-Gipfel  im September 2014 zurück. Die Truppe ist Teil eines Aktionsplans als Reaktion auf die mit der russischen Annexion der Krim beginnenden Ukraine-Krise. Die VJTF dient dem Schutz von Nato-Verbündeten im Osten, die sich von Russland bedroht fühlen, und soll binnen Tagen einsatzbereit sein.