Verteidigungsministerin Christine Lambrecht. Einem unbestätigten Zeitungsbericht zufolge will die SPD-Politikerin von ihrem Amt zurücktreten.   
Verteidigungsministerin Christine Lambrecht. Einem unbestätigten Zeitungsbericht zufolge will die SPD-Politikerin von ihrem Amt zurücktreten.    imago-images/Mike Schmidt 

Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) soll einem Zeitungsbericht zufolge entschlossen sein, von ihrem Amt zurückzutreten. Die Initiative dazu komme von ihr selbst, schreibt die Bild-Zeitung (Samstagausgabe) unter Berufung auf „mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen“. Das genaue Datum ihres geplanten Rückzugs stehe allerdings noch nicht fest, heißt es weiter in dem unbestätigten Zeitungsbericht. Über einen bevorstehenden Wechsel an der Spitze des Verteidigungsministeriums berichteten auch der Fernsehsender n-tv und die Süddeutsche Zeitung. 

Ministerium: Das sind Gerüchte, die wir nicht kommentieren

Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums erklärte am Freitagabend auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP: „Es sind Gerüchte, die wir nicht kommentieren.“ Auch Sprecher von Bundesregierung und SPD wollten sich nicht zu den Berichten äußern.  

Grund für den Rücktritt ist laut Bild die Ansicht Lambrechts, dass im Verteidigungsministerium ein Neuanfang notwendig sei. Dem Bericht zufolge wird in Regierungs- und SPD-Kreisen bereits über die Nachfolge beraten. Es würden würden der Wehrbeauftragten des Bundestags, Eva Högl (SPD), gute Chancen eingeräumt.

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Ein als unglücklich empfundenes Video mit Neujahrsgrüßen der Ministerin hatte den Druck auf die seit längerem in der Kritik stehende Lambrecht in jüngster Zeit noch verstärkt. Die oppositionelle Union hatte wiederholt Lambrechts Rücktritt gefordert. Kritiker warfen ihr etwa die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr oder fehlende Sachkenntnis, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit vor. So machte auch ein Foto ihres Sohnes auf Mitreise in einem Bundeswehrhubschrauber Negativschlagzeilen. 

Umfrage: Mehrheit für den Rücktritt Lambrechts

Einer Umfrage zufolge ist die Mehrheit der Deutschen für einen Rücktritt Lambrechts. Das ging aus dem am Freitag veröffentlichten ZDF-„Politbarometer“ hervor. Demnach sprachen sich 60 Prozent der Befragten für einen Rücktritt der Ministerin aus; 25 Prozent waren dagegen. Selbst innerhalb der SPD sprachen sich 50 Prozent für einen Rücktritt aus; 38 Prozent waren für ihren Verbleib im Amt.

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Bundeskanzler Scholz hatte die Ministerin im Dezember in Schutz genommen

Mitte Dezember hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) seine Verteidigungsministerin gegen Kritik in Schutz genommen. „Die Bundeswehr hat eine erstklassige Verteidigungsministerin“, sagte Scholz damals der Süddeutschen Zeitung und fügte hinzu: „Über manche Kritik kann ich mich nur wundern.“

Ministerin Lambrecht hatte sich am Freitag zu einem Spitzengespräch mit Vertretern der am Schützenpanzer Puma beteiligten Rüstungskonzerne getroffen. Danach sagte sie, die Bundeswehr wolle trotz der jüngsten Pannenserie am Schützenpanzer Puma festhalten. Damit dies möglich sei, müssten Streitkräfte und Unternehmen aber noch eine Reihe von „Hausaufgaben“ erledigen.  sagte. Demnach geht es um „Konstruktionsänderungen“ am Puma, eine bessere Ausbildung der Soldaten beim Umgang mit Schäden und eine engere Zusammenarbeit mit der Industrie auch während laufender Übungen. Im Dezember waren bei einer mehrwöchigen Übung einer Panzergrenadierkompanie alle 18 eingesetzten Puma-Schützenpanzer ausgefallen.

Lambrecht übernahm das Verteidigungsministerium mit Start der Ampelregierung

Lambrecht hatte mit dem Start der Ampel-Regierung im Dezember 2021 das Verteidigungsministerium übernommen. Zuvor war sie im letzten Kabinett von Angela Merkel (CDU) Bundesjustizministerin gewesen, nach dem Rücktritt von Franziska Giffey hatte sie zusätzlich das Familienministerium geführt