Der eine schwört auf Butter, die andere streicht sich ausschließlich Margarine auf Brot. Aber was ist gesünder?
Der eine schwört auf Butter, die andere streicht sich ausschließlich Margarine auf Brot. Aber was ist gesünder? Franziska Gabbert/dpa

Seit Beginn des Ukraine-Krieges erleben Millionen Deutsche Existenzsorgen, die Jahrzehnte hierzulande unbekannt waren. Angetrieben werden sie weniger vom Krieg, den Russland gegen die Ukraine vom Zaun gebrochen hat. Die Folgen des Krieges spüren wir seitdem in der sich rapide leerenden Geldbörse, so jedenfalls hat es den Anschein. Preissteigerungen, die viele noch nie zuvor durchlebt haben, scheinen eine Folge von Verknappung und steigenden Rohstoffkosten zu sein. Doch ein Blick in die Zahlen zeigt ein ganz anderes Bild. Werden Verbraucher an der Nase herum geführt?

Preisexplosion infolge des russischen Angriffskrieges in der Ukraine, massive Inflation auch 2023

Millionen Tonnen Getreide hatten sich infolge russischer Angriffe auf ukrainische Städte und Häfen in Silos angesammelt, konnten nicht verschifft werden. Als die ersten beladenen Schiffe nach türkischer Vermittlung von der Ukraine aus endlich in See stachen, stockte die Versorgung erneut. Folge waren weltweite Preisexplosionen, von denen vor allem afrikanische Länder hart getroffen wurden. Auch hierzulande setzte eine massive Inflation ein, die auf den Krieg zurückzuführen zu sein schien. Energie, Baustoffe, Lebensmittel: Alles verteuerte sich in einer zweistelligen Prozentrate, die nur allmählig abflaut.

Während sich die Preise einiger Grundnahrungsmittel, auch durch Preiseingriffe der Supermärkte, stabilisierten, verteuerten sich andere nochmals über den Jahreswechsel hinaus. So hat sich beispielsweise der Milchpreis in den vergangenen Wochen nicht mehr verteuert, während die von Fertigessen und selbst Waschpulver sich im Vergleich zu 2021/2022 teils verdoppelt haben.

Energiepreise und Rohstoffpreise sind massiv gesunken, doch die Verbraucher zahlen trotzdem mehr

Begründet wurden die Preissteigerungen von Lebensmittelketten mit teils maßlosen Preisforderungen von Markenzulieferern, die diese ablehnten und teilweise dafür Lieferboykotts in Kauf nahmen. Verbraucher konnten dafür auf die einstmals günstigeren Eigenmarken der Discounter zurückgreifen, wovon diese doppelt profitierten – denn auch bei diesen Produkten sind die Preise inzwischen regalweise gestiegen. Begründet werden diese Preissteigerungen wiederum mit den gestiegenen Energiekosten, Rohstoffkosten und Personalnöten.

Schaut man sich diese Daten genauer an, ergibt sich ein klares Bild: So gut wie keine dieser Begründungen für Preissteigerungen lässt sich verifizieren, ein Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg ist abwegig.

Beispiel Energiekosten: Der Preis an der Strombörse Leipzig liegt inzwischen auf dem Niveau von Anfang 2021, die maßlosen Übertreibungen hat der Markt längst eingehegt. 

Beispiel Rohstoffe: Der zu Beginn des Ukrainekrieges extrem gestiegene Weizenpreis liegt ebenfalls auf dem Niveau von Anfang 2021.

Preissteigerungen werden an Verbraucher weitergereicht, Preissenkungen nicht

Zwar wurden die Preissteigerungen an die Verbraucher sukzessive weitergereicht, auf die Verbilligungen warten sie jedoch vergebens. Die Verbraucherzentralen haben durchgerechnet, welche Produkte sich zwischen November 2021 und November 2021 unverhältnismäßig stark verteuert hatten:

  • Sonnenblumen- und Rapsöl +82 Prozent
  • Weizenmehl +63 Prozent
  • Quark +57 Prozent
  • Butter +42 Prozent

17-Monats-Vergleich: Diese Produkte hatten sich schon lange vor dem Ukraine-Krieg maßlos verteuert

Was tatsächlich vor sich geht, wird um so deutlicher, wenn der Betrachtungszeitraum auf 17 Monate erweitert wird: Die Preise waren nämlich bereits seit Juni 2021 stark gestiegen, als Lebensmittelketten andere Gründe für Preissteigerungen anführten – oder schlicht die Verpackungsgrößen verringerten.

Im 17-Monatsvergleich verteuerten sich

  • Weizenmehl um +70 Prozent
  • Rinderhackfleisch um +46 Prozent (statt +34 Prozent)
  • Vollmilch um +43 Prozent (statt +33 Prozent)
  • Eier um +35 Prozent (statt +20 Prozent)
  • Margarine um +47 Prozent (statt 35 Prozent)
  • Butter um  sage und schreibe +74 Prozent (statt +42 Prozent)!

Tatsächlich haben Agarunternehmen mit steigenden Futtermittel- und Düngemittelpreisen sowie Personalkosten zu kämpfen. Doch rechnet man all die Faktoren heraus und blickt auf die tatsächlich begründbaren Kosten, zeigt sich: Viele Handelsunternehmen und Zwischenhändler verdienen an den Preissteigerungen durch gestiegene Margen vor allem bei Markenprodukten, doch inzwischen auch bei Handelsmarken. Ein Markenprodukt können Verbraucher zwar möglicherweise durch ein gleichwertiges preiswerteres ersetzen.

Wenn sich jedoch die Preise selbst bei Eigenmarken z.B. für Waschpulver verdoppeln, sind Verbraucher gezwungen, tiefer in die Tasche zu greifen. Der Handel kann aufgrund der gesunkenen Rohstoffpreise teure Zulieferer durch günstigere ersetzen, vor allem Geringverdiener sind jedoch auf erschwingliche Grundlebensmittel und unverzichtbare Produkte wie Reinigungsmittel angewiesen, deren Preise ohne nachvollziehbare Gründe teils maßlos erhöht wurden.