Der Schauspieler Ulrich Matthes ging mit seinen Kollegen hart ins Gericht. Foto: dpa/Thomas Frey

Die Internetaktion „#allesdichtmachen“ geht nach Ansicht des Daten- und Politikwissenschaftlers Josef Holnburger schief. „Leider bedienen viele der Prominenten hämisch Erzählungen, welche Bestandteil vieler Verschwörungserzählungen sind. Etwa vermeintlich gleichgeschaltete Medien.“ Es wundere ihn deshalb nicht, dass der Applaus aus der Querdenker-Szene besonders laut sei. Ähnlich äußerte sich Ulrich Matthes, der Präsident der Deutschen Filmakademie. Die „vermeintliche Satire“ gebe AfD und Querdenkern Schützenhilfe. Er wundere sich über die in den Filmchen geäußerte Unterstellung, es gebe keine Debatte über den Sinn der Regierungsmaßnahmen.

Schauspieler hatten mit 53 Clips die Corona-Politik der Bundesregierung kommentiert und heftige Widerrede erfahren. Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet erklärte in der Talkrunde 3nach9 von Radio Bremen jedoch: „Man darf das sagen in einem freien Land.“ Es sei schlimm, dass gegenüber Andersdenkenden zu leichtfertig der Vorwurf einer rechten Gesinnung erhoben werde. Er teile ihre Meinung nicht, sie dürfe aber geäußert werden. 

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Am Samstag wurde auf der Seite allesdichtmachen.de veröffentlicht, man leugne Corona nicht, stelle nicht in Abrede, dass Menschen daran sterben, und lasse sich nicht in die rechte Ecke stellen. 

Etliche Teilnehmer haben sich mittlerweile von ihren Beiträgen distanziert. Ulrike Folkerts („Tatort“) etwa erklärte. „Ich war naiv genug zu glauben, mit meinen Kollegen*innen ein gewinnbringendes Gespräch in Gang zu bringen. Das Gegenteil ist passiert.“ Es tue ihr leid, Menschen vor den Kopf gestoßen zu haben. Jan Josef Liefers („Tatort“) blieb dabei, sagte bei„3nach9“ jedoch: „Ich finde auch den Punkt interessant, dass vielleicht Ironie wirklich ein ungeeignetes Mittel ist.“ Er sehe eine Lücke: „Es gibt nicht nur auf der Seite der Erkrankten Trauer und Leid, sondern auch auf der Seite derer, die unter diesen Maßnahmen inzwischen nun wirklich anfangen zu leiden, die sehe ich nicht so richtig vertreten.“

Unterdessen waren zuletzt 15 der Videos bei Youtube verschwunden. Dafür gibt es „allesdichtmachen.com“, die der SPD-Chef von Berlin-Mitte, Yannick Haan, angelegt hatte: Die Seite hat eine andere Endung als die Original-Homepage („.de“) - und führt zur Doku „Station 43 – Sterben“ aus der Charité.