Die indische Variante breitet sich auch in Europa immer stärker aus. imago/Christian Ohde

Rasend schnell verbreitet sich die indische Variante des Coronavirus in Großbritannien, zuletzt verdoppelte sich die Zahl der Infektionsfälle innerhalb einer Woche auf gut 1300 Fälle. Die Sorge wächst: So stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Variante als „besorgniserregend“ ein und das Robert-Koch-Institut (RKI) hat Großbritannien deshalb erneut als Corona-Risikogebiet eingestuft. Das Auswärtige Amt warnt vor „nicht notwendigen, touristischen Reisen“.

Fallzahl hat sich in Großbritannien verdoppelt

Auch Experten sind alarmiert, weil die indische Variante B.1.617, insbesondere der Subtyp B.1.617.2, offenbar noch leichter übertragbar ist als die bisher vorherrschenden Virus-Varianten, inklusive der sogenannten britischen Variante. Noch sei nicht klar, um wieviel schneller sie sich verbreite, sagte der britische Premier Boris Johnson in einem Statement. Im schlimmsten Fall stünden dem Land aber schwere Entscheidungen bevor.

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Denn von Montag an sind weitere Öffnungsschritte geplant. Johnson sieht diesen Fahrplan zwar bislang nicht in Gefahr, warnte aber, dass die bedrohliche Verbreitung der Variante die für Ende Juni geplante Aufhebung aller Corona-Maßnahmen gefährden könnte.

Impfstoffe auch bei indischer Variante wirksam?

Premier Boris Johnson ist besorgt: Er bereitete die Briten darauf vor, dass weitere Lockerungsschritte ausfallen könnten. imago/ZUMA Wire

Beruhigend war da nur Johnsons Hinweis, dass es bislang „keine Hinweise darauf gibt, dass die Impfstoffe weniger wirksam sind.“ Vorsorglich soll nun aber der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung für die Gruppe der über 50-Jährigen von zwölf auf acht Wochen verkürzt werden.

Deutsche Experten gehen laut Studien davon aus, dass die Variante Antikörpern zwar partiell entkommen kann, „aber die Impfstoffe sollten noch gut schützen!“, erklärte die Münchner Virologin Ulrike Protzer via Twitter.

Auch Deutschland gefährdet

Aber auch in Deutschland befürchten immer mehr Experten drohende Rückschläge im Kampf gegen Corona durch die neue Mutante. „Wir haben die Variante am Anfang unterschätzt, weil davon auszugehen war, dass sie es nur aufgrund der Gegebenheiten in Indien so leicht hat und sich so massiv ausbreitet“, gab SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zu.

Lauterbach: „Haben Variante unterschätzt“

Im Moment sei der Anteil der Variante B.1.617 mit rund 2 Prozent der Fälle in Deutschland noch gering, so der Gesundheitsexperte der Grünen-Fraktion im Bundestag, Janosch Dahmen im „Frühstart“ bei ntv.

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„Sollte er aber so stark ansteigen, wie das in Großbritannien und anderen Ländern der Fall ist, dann können wir uns bestimmte Öffnungsschritte, die jetzt wahrscheinlich scheinen, unter Umständen nicht leisten.“ Der hohe Ansteckungsgrad „könnte durchaus auch bisherige Erfolge in der Pandemie wieder in Frage stellen.“