Eine unbemannte US-Drohne flog den Vergeltungsangriff. dpa

Nach dem blutigen Terroranschlag am Flughafen Kabul mit Dutzenden Toten drohte Joe Biden mit Rache. Und schon wenige Stunden später erlebt die Welt, wie ernst es der US-Präsident damit meinte. Bei einem Angriff mit ferngesteuerten unbemannten Drohnen attackierte das US-Militär einen örtlichen Ableger der Terrormiliz IS.

Der unbemannte Luftschlag in der afghanischen Provinz Nangahar habe „einem Planer“ von IS-K gegolten, teilte das US-Zentralkommando Centcom mit. „Ersten Anzeichen zufolge haben wir das Ziel getötet“, sagte Sprecher Bill Urban. Weitere Einzelheiten gab das Zentralkommando nicht bekannt.

US-Soldaten bewachen den Flughafen Kabul. AP/U.S. Marine Corps

Die USA hatten im Zuge des Abzugs ihrer Truppen aus Afghanistan immer wieder betont, dass sie auch ohne Soldaten am Boden die Fähigkeit hätten, Luftschläge aus der Ferne auszuüben und so Terrorgruppen in Schach zu halten. So auch den Islamischen Staat (IS), mit dem die Taliban verfeindet sind.

Der IS ist weit gewalttätiger als die Taliban und strebt über Afghanistan hinaus eine islamische Weltherrschaft an. Die UN rechneten dem IS von März bis Juni bereits 88 Anschläge in Afghanistan zu, etliche Talibankämpfer sollen zum IS-Ableger IS Khorasan (IS-K) übergelaufen sein. Diese Gruppierung ist seit 2015 in Afghanistan aktiv, inzwischen etwa 2000 Mann stark und verantwortlich für eine ganze Reihe tödlicher Anschläge. Khorasan ist der Name eines früheren Kalifats, das sich über Teile der heutigen Staaten Afghanistan, Iran, Pakistan und Turkmenistan erstreckte.

Afghanen versuchen über den Landweg zu fliehen, wie hier an einem Grenzübergang zu Pakistan. dpa

Anführer des IS-K ist seit Mitte 2020 Shabab al-Muhajir, der aus den Reihen der Terrorgruppe Al Kaida in Afghanistan und Pakistan stammt. Ihm wird der Angriff auf das Gefängnis im afghanischen Dschalalabad zugeschrieben, bei dem Hunderte von Gefangenen freigelassen wurden. Wollen die USA den Anführer des IS-K oder dessen Stellvertreter töten, wie es Biden angekündigt hat, müssten sie auch dies per Spezialeinsatzkommando oder mit Drohnen tun.

Die Lage am Flughafen Kabul, wo die US-Luftwaffe ihre Evakuierungsflüge fortsetzt, bleibt unterdessen hochgefährlich. Die Taliban haben nach eigenen Angaben mehrere Zugänge unter ihre Kontrolle gebracht. Washington befürchtet weitere Terrorakte und rief alle Landsleute dazu auf, die Gegend rund um die Eingangstore zum Flughafen sofort zu verlassen.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) umarmte Bundeswehr-Kommandeur Jens Arlt nach der Rückkehr der Truppe aus Afghanistan.  dpa/Daniel Reinhardt

Deutschland hofft jetzt darauf, dass im Land verbliebene Ortskräfte und andere Schutzsuchende künftig auch mit zivilen Flugzeugen Afghanistan verlassen können. Offenbar warten noch rund 300 Deutsche und mehr als 10.000 Afghanen auf Ausreise nach Deutschland.