27.03.2020, Schleswig-Holstein, Geesthacht: Katrin Haack, Biologielaborantin des LADR-Laborverbundes Dr. Kramer und Kollegen, analysiert molekularbiologische Proben auf das SARS-CoV-2-Virus. Foto: dpa/Daniel Bockwoldt/

Weil angeblich Milliarden von Euro für die Genderforschung ausgegeben werden, fehlen den Universitäten notwendige Gelder für die Virusforschung. Mit dieser kühnen Behauptung bewirbt der Verein Deutsche Sprache e. V. eine Online-Petiton, in der „Unterschriften für den Aufruf gegen Gender-Unfug“ gesammelt werden sollen. Dass der Verein die Corona-Krise nutzt, um auf die Petition aufmerksam zu machen, wird jetzt kritisiert.

In einem Facebook-Eintrag heißt es: „Der Moment, in dem vielen Menschen klar wird, dass Professoren für Medizin, Biologie oder Chemie wichtiger sind als solche Gender-Studies“. Dazu verlinkt der Verein auf einen Zeitungsartikel der Volksstimme. In diesem ging es um einen Streit zwischen Niedersachsens Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) und dem Chefarzt der Klinik für Augenheilkunde am Ameos-Klinikum in Haldensleben.

Motschmann hatte der Ministerin in scharfem Ton vorgeworfen, Millionen für „Gender Gaga“ auszugeben, anstatt die Krankenhäuser besser zu finanzieren. Grimm-Benne warf dem Arzt daraufhin „AfD-Sprech“ vor.

Der Verein Deutsche Sprache e. V. stößt mit seinem Vorwurf auf Kritik

Dass der Verein diesen Streit nun in Verbindung mit Corona erneut ins Spiel bringt, stößt auf Kritik. „Die aktuelle Krise auszunutzen, um die konservativen Forschungsgebiete den Neuen voranzustellen, ist aus meiner Sicht fahrlässig“, schreibt ein User auf der Facebook-Seite des Vereins. „Ob die Forschung zielführend ist, um den Prozess der Gleichstellung zu beschleunigen“, so der Mann weiter, „wird nur die Zeit zeigen können. Derzeit sehe ich aber keinen Anhaltspunkt, der dafür spricht, dieser Wissenschaft keinen Raum für ihre Arbeit zu geben".

Ein weiterer User will den Vorwurf der Geldverschwendung ebenfalls nicht gelten lassen: "Das ist so pauschal falsch. (...) Diese Forschung lohnt, als Teilgebiet der Soziologie wie der Ethnologie. Dass die Genderstudies in Deutschland in einem schauderhaften Zustand sind, (...), ändert am grundsätzlichen Nutzen nichts,"

Eine Frau sieht ein ganz anderes Problem und fragt: „Was nützt die geschlechtsneutrale Schreibweise solange Frauen noch immer weniger verdienen als Männer, bei gleichen Fähigkeiten?“ Andere User hingegen teilen den Vorwurf der Geldverschwendung und zweifeln den Nutzen der Genderforschung deutlich an.

Prominente Unterstützer wie Hape Kerkeling oder Ottmar Hitzfeld

Der Verein selbst, dessen Vorstand aus neun Männern und zwei Frauen besteht, antwortete auf die kritischen Beiträge bislang nicht.

Bereits in der Vergangenheit hatte der Verein Deutsche Sprache immer wieder für teils hitzig geführte Diskussionen um den Umgang mit der deutschen Sprache gesorgt. Auf der Internetseite des Vereins findet sich eine Liste mit prominenten Unterstützern, darunter der Kabarettist Dieter Hallervorden, Fußball-Trainer Ottmar Hitzfeld, Komiker Hape Kerkeling, die Moderatorin Angela Elis sowie die Bürgerrechtlerin Vera Langsfeld.