Dem deutschen Harvard-Studenten Teddy Lange droht die Ausweisung. dpa/Teddy Lange/privat

Die US-Universität Harvard gehört zu den angesehensten Hochschulen weltweit. Wer dort studiert oder ein Auslandssemester verbringt, hat viel investiert - vor allem Fleiß, aber auch Geld. Völlig unverschuldet droht deutschen Studenten nun mitten in der Corona-Krise die Abschiebung aus den USA. Der Grund ist eine neue, umstrittene Pandemie-Regelung der Einwanderungsbehörde. Der Lebenstraum der jungen Leute droht zu platzen. 

Teddy Lange (26) hält sich für einen Menschen, den nichts umwirft. Vor wenigen Tagen wurde die Welt des jungen Bremers dann aber doch aus den Angeln gehoben. Lange studiert Public Policy in Harvard, der Elite-Uni bei Boston. Die Hochschule will - wie einige andere in den USA auch - im Herbstsemester wegen Corona nur Online-Kurse anbieten. Lange wird deshalb womöglich zur Ausreise gezwungen. Die Einwanderungsbehörde ICE hat angekündigt, dass Gaststudenten, die nur Online-Kurse besuchen, das Land verlassen müssen. Sonst droht ihnen die Ausweisung.

Vize-Heimatschutzminister Ken Cuccinelli fährt in dieser Sache einen knallharten Kurs. Er sagte dem Sender CNN, wenn Studenten nicht persönlich an Vorlesungen teilnähmen, gebe es auch keinen Grund für sie, im Land zu sein. Kritiker vermuten, dass es in Wahrheit um etwas ganz anderes geht. Der Plan vieler Elite-Unis, nur Online-Kurse anzubieten, passe nicht zu Präsident Trumps Strategie, die USA trotz steigender Corona-Fallzahlen wieder zurück zur Normalität zu zwingen. Also setze man die Hochschulen mit Schikanen gegen Studenten unter Druck.  

US-Präsident: Ihr solltet Euch schämen!

Trump selbst, der auf eine Öffnung aller Schulen und Unis im Herbst dringt, hatte zu den Harvard-Plänen gesagt: „Ich denke, dass sie es sich leicht machen, und ich denke, sie sollten sich schämen.“ Uni-Präsident Lawrence Bacow wirft Trump nun vor, die Lehrsäle ohne Rücksicht auf Gesundheitsrisiken wieder öffnen zu wollen. Die Abschiebe-Vorschrift sei ohne Vorwarnung gekommen und werde „in ihrer Grausamkeit nur durch ihre Leichtsinnigkeit“ übertroffen. Gemeinsam mit 180 weiteren US-Hochschulen geht Harvard nun juristisch gegen die Neuregelung vor.

Der deutsche Harvard-Student Maximilian Klein (27) aus Neunkirchen an der Saar hält die Maßnahme für einen weiteren Beleg von Trumps „fremdenfeindlicher Einwanderungspolitik“. Er hat einen von fast 100 deutschen Studenten unterzeichneten offenen Brief initiiert, in dem die Bundesregierung um Unterstützung gebeten wird.

Das Schreiben weist auch auf die Folgen für ausländische Studierende hin, die mit Partnern oder mit Familie in den USA sind. Das betrifft etwa eine deutsche Harvard-Studentin, die mit ihrem Verlobten in die USA gezogen ist. Der habe eigens wegen ihr einen neuen Job in Amerika angenommen und könne nun nicht einfach mit ihr zurückgehen.

Fast 9200 deutsche Studenten in den USA

Bereits vor der Pandemie sahen die US-Bestimmungen vor, dass Ausländer auf einem Studentenvisum nur sehr begrenzt Online-Kurse absolvieren durften - der überwiegende Anteil der Vorlesungen musste persönlich besucht werden. Derzeit studieren knapp 1,1 Millionen Ausländer in den USA, darunter fast 9200 Deutsche. Sie alle hängen nun bis zu einer gerichtlichen Entscheidung über die Rechtmäßigkeit des Ausreise-Zwangs in der Schwebe.

Teddy Lange möchte unbedingt in den USA bleiben. Er sagt: „Ich habe in Deutschland nichts mehr“ - kein soziales Umfeld, keine Krankenversicherung, keine Wohnung. Sollte er zurückkehren müssen, könne er „ein paar Nächte bei Mama auf der Couch schlafen“. Danach jedoch würde er sein Leben völlig neu ausrichten müssen. (mit dpa)