US-Soldatinnen bei einer Übung der Luftwaffe in Spangdahlem in der Eifel. Foto: Imago Images/ZUMA Press

Für Karl Metz ist klar: „Wenn die Soldaten in Spangdahlem abziehen, können wir den Laden hier schließen.“ Metz verkauft Autos für Angehörige des US-Militärs, ganz in der Nähe des US-Luftwaffenstützpunkts in der Eifel. „Es wäre ein Totalverlust. Arbeit weg, alles weg.“ Wie er machen sich nach der Ankündigung aus Washington, die Zahl der 36.000 in Deutschland stationierten US-Soldaten um ein Drittel zu reduzieren, viele Menschen rund um den US-Flugplatz Spangdahlem große Sorgen. Um Arbeitsplätze, Firmenaufträge, aber auch um Freundschaften und gelebtes deutsch-amerikanisches Miteinander.

In den letzten Jahren wurden rund 400 Millionen Dollar für den Ausbau des US-Luftwaffenstützpunkts in der Eifel investiert. Foto: Imago Images/ZUMA Press

Ein Geschwader von F-16-Kampfjets mit Besatzung, Unterstützungskräften und Technikern will die US-Armee von Spangdahlem nach Italien verlegen. Die Staffel mit über 20 Flugzeugen, die weltweit Einsätze der US-Air Force und der Nato unterstützt, ist das Kernstück der Base mit ihren rund 4000 Soldaten. Ein Schock für die Region. Einschließlich der Angehörigen leben und arbeiten fast 11.000 Menschen auf dem Stützpunkt. Der Flugplatz ist Arbeitgeber für weit mehr als 800 Deutsche.

Ein Kampfflugzeug vom Typ F-16 überfliegt die Start- und Landebahn des US-Militärflughafens in Spangdahlem. Rund 11.000 Menschen leben auf dem Stützpunkt, der auch nach dem Teilabzug der US-Truppen geöffnet bleibt. Foto: Harald Tittel/dpa

„Das ist eine einsame und irrationale Entscheidung, nicht nachvollziehbar, von einem bizarren Menschen“, sagt Bürgermeister Manfred Rodens (CDU) über US-Präsident Donald Trump. Die Abzugs-Pläne machten gar keinen Sinn. In den vergangenen fünf, sechs Jahren seien rund 400 Millionen Dollar auf der Base investiert worden - unter anderem für eine neue Zahnklinik, neue Schulen, Kindergärten und ein Fitnesscenter.

Viele haben zuerst nicht daran geglaubt, dass Trump es mit dem angedrohten Truppenabzug wirklich ernst meint. Fürs bayerische Vilseck wäre es ein Kahlschlag: Der Großteil der rund 5500 Soldaten sowie etwa 9000 Familienangehörige sollen die Stadt verlassen. Das würde das Leben in Vilseck massiv verändern. Gut 6000 Einwohner zählt der Ort – ohne die Amerikaner. Die Soldaten und ihre Familien kaufen in den örtlichen Geschäften ein, zahlreiche Einheimische sind beim US-Militär als Zivilisten angestellt. Über die Jahrzehnte entstanden viele Freundschaften, Ehen wurden geschlossen.

Im November 2019 besuchte US-Außenminister Mike Pompeo (2.v.r.) die US-Soldaten im bayerischen Grafenwöhr/Vilseck. Jetzt steht der Truppenübungsplatz mit auf der Streichliste. Foto: Jens Meyer/AP/dpa

Bürgermeister Hans-Martin Schertl sagt, führende US-Militärs hätten den Truppenübungsplatz Grafenwöhr/Vilseck als „die Kronjuwelen der US-Armee“ bezeichnet. Umso verwunderlicher findet er es, dass ein Teil des Standortes nun tatsächlich auf der Streichliste stehen soll.  Jährlich gehe vom Truppenübungsplatz eine Wirtschaftskraft in Höhe von rund 700 Millionen Euro aus – seien es Löhne, Mieten oder Bauaufträge.

Ganz so akut ist das Problem in Stuttgart nicht. Von dort sollen zwei Kommandozentralen für die US-Streitkräfte in Europa und Afrika verlegt werden. Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) spricht von einer „Strafaktion“, auch wenn das wohlhabende Stuttgart die wirtschaftlichen Folgen leichter verkraften kann. Der Stuttgarter Mieterverein sieht im Abzug sogar eine einmalige Chance im Kampf gegen die Wohnungsnot. In Stuttgart mangele es derzeit an rund 30.000 Wohnungen, so der Vorsitzende Rolf Gaßmann. „Militärische Kommandozentralen und Kasernen haben in einer dicht besiedelten Großstadt sowieso nichts zu suchen.“