US-Präsident Donald Trump wettert weiter gegen Briefwahlen und Betrug. Foto: Brendan Smialowski/AFP

Washington - Mit fortschreitender Auszählung der letzten Stimmen kommt Joe Biden dem Wahlsieg ein weiteres Stück näher - und die Chancen von US-Präsident Donald Trump auf eine zweite Amtszeit schwinden stündlich. Doch das Weiße Haus zu räumen, eine Niederlage - das kommt für Trump offensichtlich nicht in Frage.

Bei seinem Auftritt im Weißen Haus ließ der amtierende Präsident erneut eine Tirade gegen den Auszählungsprozess los, sprach von „Betrug“ und dass ihm der Sieg gestohlen werde - allerdings ohne jegliche Beweise für seine Behauptungen zu nennen. Mehrere US-Fernsehsender brachen daraufhin ihre Live-Übertragung aus dem Weißen Haus ab. Mehrere Sender unterzogen Trumps Behauptungen einem Faktencheck.

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In einer ganzen Reihe von Bundesstaaten hat das Team des 74-Jährigen schon Klagen eingereicht, um die Auszählungen zu stoppen oder um erneut auszählen zu lassen. Sein ältester Sohn Donald Junior ruft via Twitter sogar zum „totalen Krieg“ auf, um „all den Betrug, das Schummeln (...) offenzulegen“.

Trump-Fans protestieren gegen angeblichen Wahlbetrug, der Präsident gießt mit seinen Tiraden weiter Öl ins Feuer. Foto: Imago Images/ZUMA Wire

Im Anti-Trump-Lager wächst die Wut über solche Aussagen. „Wir weigern uns, ein faschistisches Amerika zu akzeptieren“, sagt Emma Kaplan. Trump zettele einen „schleichenden Staatsstreich“ an, und das sei rechtswidrig. Sie ist vor dem Wahlzentrum in Philadelphia, damit wirklich alle Stimmen ausgezählt werden.

Republikaner rüffeln Trump

Selbst im Lager der Republikaner gibt es Kritik an Trumps „One-Man-Show“, wie es Bundesaußenminister Heiko Maas nennt. „Es gibt keine Rechtfertigung für die Äußerungen des Präsidenten heute Abend, die unseren demokratischen Prozess untergraben“, schrieb der republikanische Gouverneur des Bundesstaats Maryland, Larry Hogan, auf Twitter. Der Kongressabgeordnete Adam Kinzinger twitterte: „Hören Sie auf, entlarvte Falschinformationen zu verbreiten ... Das wird langsam verrückt.“

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Auch der langjährige Berater von Ex-Präsident George W. Bush, Karl Rove, hält in seinem Blog mit seinem Unverständnis nicht hinterm Berg: „Um hunderttausende Stimmen zu stehlen, wäre ein Komplott von einem solchen Ausmaß nötig, dass es eines James-Bond-Films würdig wäre. Das wird es nicht geben.“