Präsident Joe Biden spricht im Büro der Geheimdienstkoordination mit Christy Abizaid, Chefin des Nationalen Zentrums für Terrorbekämpfung.  AP/Susan Walsh

US-Präsident Joe Biden hat vor einem Krieg als Folge eines Cyberangriffs großen Ausmaßes gewarnt. „Wenn wir in einem Krieg, einem echten Krieg mit einer Großmacht enden, dann als Folge eines Cyberangriffs von großer Tragweite“, sagte er bei seinem ersten Besuch im Büro der Geheimdienstkoordination (ODNI) in McLean vor den Toren Washingtons. „Und die Fähigkeiten (für einen solchen Cyberangriff, d. Red) nehmen exponentiell zu.“ Zuletzt hatten die USA sowohl China als auch Russland für Cyberangriffe verantwortlich gemacht.

„Wir haben gesehen, wie Cyber-Bedrohungen, einschließlich Ransomware-Angriffen (Angriffe zur Erpressung von Lösegeld, d. Red), zunehmend in der Lage sind, Schäden und Störungen in der realen Welt zu verursachen“, sagte Biden. Und wörtlich weiter: „Ich kann das nicht garantieren, und Sie sind so gut informiert wie ich, aber ich denke, dass es wahrscheinlicher ist, dass wir am Ende - nun, wenn wir in einem Krieg, einem echten Krieg mit einer Großmacht enden, dann als Folge eines Cyberangriffs von großer Tragweite.“

Am Mittwoch wollte Biden ein Nationales Sicherheitsmemorandum zur Cybersicherheit für sogenannte kritische Infrastruktur unterzeichnen. Damit sollen unter anderem lang überfällige Maßnahmen gegen die Bedrohung durch Cyberangriffe umgesetzt werden, wie es hieß. Bei seinem Treffen mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin am 16. Juni in Genf hatte Biden diesem eine Liste von 16 Arten der Infrastruktur gegeben, die aus Sicht der USA niemals angegriffen werden dürften - weder von einem Staat noch von individuellen Gruppen aus einem bestimmten Staat, wie es in einer Mitteilung des US-Außenministeriums damals stand.

Biden sprach vor etwa 120 Mitarbeitern des ODNI, der 17 US-Nachrichtendienste beaufsichtigt. Zugleich versprach er, die Arbeit des ODNI niemals zu „politisieren“. Sein republikanischer Vorgänger Donald Trump hatte die Geheimdienste teils scharf kritisiert und etwa Erkenntnisse der amerikanischen Geheimdienste zu Einmischungen Russlands in die US-Wahlen von 2016 infrage gestellt. Damit düpierte er seine eigenen Leute.

China handelt „böswillig“

Die US-Regierung und mehrere Verbündete hatten vergangene Woche das kommunistische China für „unverantwortliche böswillige Cyberaktivitäten“ verantwortlich gemacht. Die Vorwürfe kamen auch von der Europäischen Union, Großbritannien, der Nato und weiteren Partnern. Unter anderem sehen die USA China hinter dem Angriff auf die E-Mail-Software Exchange Server vom US-Konzern Microsoft im März.

Anfang Juli hatte Biden zudem Putin nach Hackerangriffen mutmaßlich aus Russland aufgefordert, gegen die Täter vorzugehen. In einem etwa einstündigen Telefonat habe Biden dabei „anhaltende Ransomware-Angriffe von Kriminellen mit Sitz in Russland“ angesprochen, teilte das Weiße Haus damals mit.

Anlass war, dass Hacker über eine Schwachstelle beim amerikanischen IT-Dienstleister Kaseya Hunderte Unternehmen mit Erpressungs-Software angegriffen hatten. Die von Experten in Russland verortete Gruppe REvil verlangte 70 Millionen US-Dollar (etwa 59 Millionen Euro) in der Digitalwährung Bitcoin für einen Generalschlüssel zur Wiederfreigabe aller betroffenen Computern. Die USA machen zudem russische Geheimdienste für einen massiven Hackerangriff auf Ministerien, Behörden und Firmen in den USA verantwortlich.