General Kenneth McKenzie, Befehlshaber des US-Zentralkommandos, gestand vor Journalisten Fehler des US-Militärs ein. (Archivbild) dpa/AP/Manuel Balce Ceneta

Das US-Militär hat eingeräumt, bei einem Drohnenangriff in der afghanischen Hauptstadt Kabul Ende August unschuldige Zivilisten statt Extremisten getötet zu haben. Der Luftangriff sei ein „tragischer Fehler“ gewesen, sagte General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando Centcom führt, am Freitag vor Journalisten. Eine Untersuchung habe gezeigt, dass bis zu zehn Unschuldige, darunter bis zu sieben Kinder, ums Leben gekommen seien. Man halte es für unwahrscheinlich, dass das Fahrzeug und die getöteten Personen eine direkte Bedrohung für die US-Streitkräfte dargestellt hätten oder mit der Terrormiliz IS in Verbindung gestanden hätten.

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin sprach den Familien der Getöteten sein Beileid aus und erklärte: „Wir entschuldigen uns und werden uns bemühen, aus diesem schrecklichen Fehler zu lernen.“ Er habe angeordnet, zu untersuchen, inwiefern Abläufe bei künftigen Drohnenangriffen womöglich geändert werden müssten.

Während der Evakuierungen wurden Ende August bei einer Terrorattacke des IS, der mit den Taliban verfeindet ist, vor dem Flughafen von Kabul Dutzende Afghanen und 13 US-Soldaten getötet. Die USA reagierten daraufhin mit Luftangriffen.

USA befürchteten IS-Anschlag auf Kabuler Flughafen

In Kabul griff das US-Militär am 29. August unweit des Flughafens mit einer Drohne ein Auto an, in dem die Amerikaner IS-Anhänger vermuteten. Argumentiert wurde, dadurch sei möglicherweise ein weiterer schwerer Terrorangriff am Flughafen verhindert worden.

Medien hatten bereits kurz nach diesem Luftanschlag berichtet, dass mehrere Zivilisten bei der Drohnenattacke ums Leben gekommen seien. Die USA hatten dies nicht direkt zurückgewiesen, sondern eine Prüfung angekündigt. Generalstabschef Mark Milley hatte den Angriff aber noch nach ersten Berichten über mögliche zivile Opfer verteidigt.

Das US-Militär hatte ursprünglich mitgeteilt, in dem zerstörten Fahrzeug habe sich „eine große Menge Sprengstoff“ befunden, die womöglich zu weiteren Opfern geführt habe. Man wisse nun mehr, sagte Pentagon-Sprecher John Kirby am Freitag.

Attackiertes Fahrzeug acht Stunden lang beobachtet

McKenzie sagte ausdrücklich: „Ich bin heute hier, um das geradezurücken und unseren Fehler einzugestehen.“ Er betonte: „Dieser Schlag wurde in dem ernsten Glauben ausgeführt, dass er eine unmittelbare Bedrohung unserer Streitkräfte durch die Evakuierten auf dem Flughafen verhindern würde, aber das war ein Fehler.“ Das US-Militär bedaure dies zutiefst.

Minutengenau legte McKenzie bei seinem Auftritt die Abläufe in den Stunden vor dem Luftschlag dar und präsentierte eine Karte, auf der die Bewegungen des getroffenen Autos nachgezeichnet wurden. Es habe sich nicht um einen „überstürzten Angriff“ gehandelt, betonte er. Man habe das Fahrzeug zuvor acht Stunden lang beobachtet und sei sehr besorgt gewesen, dass es sich in Richtung Flughafen bewegte. Die Amerikaner rechneten dort in den letzten Tagen vor dem Abzug des US-Militärs mit weiteren Anschlägen.